Inneres Kind

Das Leid der Kinder ist unser Leid

Erst mal vorneweg:
Ich schreibe diesen Artikel nicht aus einer inneren Haltung von Anklage, Angriff („Krieg der Geschlechter“, siehe unten), Schulddenken, Verzweiflung oder Moral heraus.

Sondern angeregt durch ein Gedicht, das mich sehr tief berührt und bewegt hat. Von einem Mann, den ich kürzlich auf einer Männerinitiation kennen gelernt habe, Frieder Gutscher.

Ich schreibe diesen Artikel aus einer inneren Haltung von Selbstbetroffenheit, Mitgefühl, Bewusstmachung, Hoffnung und Entschiedenheit… aus einem Gefühl von „Es ist an der Zeit“ heraus.
Meine subjektiven Lebenserfahrungen als Basis.

Mit „Männer“ und „Frauen“ meine ich unten die überwiegend übernommenen Rollen und Verhaltensweisen (hier speziell die „unerlösten“, also zerstörerischen) der Geschlechter, also Schwerpunkte und Tendenzen von „Mann“ und „Frau“.
In dem Bewusstsein, dass Männer sich auch „weiblich“, und Frauen sich auch „männlich“ verhalten (im konstruktiven UND zerstörerischen Sinn!).
Primär geht es mir um den Unterschied zwischen „ERWACHSENEN“ und KINDERN.
Die Geschlechterrollen ändern nur die Art und Weise unseres destruktiven Verhaltens als scheinbar „er-wachsene“ Menschen, die wir eben NICHT MEHR KINDER sind!

Hier das Gedicht.
Es bringt das Dilemma, das Leid unserer Kinder, der aus Fleisch und Blut und auch der Inneren Kinder, so fühlbar ans Licht, wie kein anderes, das ich kenne:

ZER – RISSEN – HEIT

Zerissenheit

 

Was Du auch tust
es ist falsch
Wie Du dich auch entscheidest
es ist falsch entschieden
Welchen Platz Du auch einnimmst
es ist der falsche Platz
denn Du bist falsch
Du bist nicht in Ordnung
Du bist fehl am Platz
Du bist zuviel
So vernahm es das kleine Kind
und wusste keine Ausweg
außer dem stillen Rückzug
in sich selbst hinein

Lieber Nichtstun als etwas tun
denn etwas tun bedeutet
das Falsche tun
aber Nichtstun ist auch falsch
Nichts ist richtig
Als Nichts bist Du richtig
Solange Du etwas bist
bist Du verkehrt
bist Du nicht in Ordnung
bist Du fehl am Platz
bist Du zuviel
So vernahm es das kleine Kind
und baute sich seine eigene Welt auf
wo es einen Platz hat
um der Wirklichkeit zu entfliehn
dem Dilemma
Da zu sein

Frieder Gutscher

~

Die Erhalter und Beschützer dieser Welt, die Männer, zerstören das ihnen Anvertraute:
Menschen, Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen, Länder, die Erde, die materielle Schöpfung.
Das geschieht sehr offensichtlich.

Die Träger der Kinder und der Gefühle, die Frauen, zerstören das von Natur aus stark in ihrer Obhut liegende: die Liebe, das Vertrauen, die seelisch – emotionale Schöpfung.
Dies geschieht sehr subtil und dem Bewusstsein der meisten Menschen völlig verborgen.

Männer missbrauchen ihre körperliche Macht, Frauen ihre seelisch – emotionale.

Wir „Erwachsenen“, Männer wie Frauen, zerstören das Geschenk der Kinder an uns:

Frieden und Liebe

Die Geschenke der Kinder aus Fleisch und Blut und die der Inneren Kinder.

So zerstören wir selbst unsere größte Chance auf Wachstum und Heilung.

Es sind nicht wir „Erwachsenen“ die Leid – tragenden, denn wir tragen unser Leid nicht wirklich!

Das Leid der Kinder

Es sind die Kinder, denen wir UNSER Leid über – tragen und SIE es für uns tragen lassen.

Sie haben nicht die Macht, das zu verändern, sind ohne Macht, ohnmächtig.
Das macht Frieders Gedicht so sehr spürbar.

Wir „Erwachsene“ aber sind mächtig. Sehr mächtig. Mächtig zu zerstören. Das Geschehen in der Welt zeigt es.
Und mächtig, zu heilen. Jeder erlebt es – meist noch sehr im Kleinen – immer wieder mal.

Unsere Kinder kommen völlig friedlich und liebend in unsere Welt. Uns Frieden und Liebe zu schenken. Wir zerstören beides aus unserem Leid heraus. Und sehnen uns doch so sehr danach. Wie einst, als wir diese Kinder selbst waren und auch jetzt noch, wo wir sie als „Innere Kinder“ noch immer in uns tragen.

So leben wir wie unbedarfte Kinder, obwohl wir längst reif an Jahren sind.

Einst waren wir Kinder, und dachten wie Kinder. Jetzt sind wir „erwachsen“… und leben in weiten Bereichen doch noch als Kinder. Sind also unserem Kindsein nicht wirklich er – wachsen.

Das kann nicht hilfreich sein.

Wir können nicht wirklich er – wachsen, wenn wir unser Leid nicht selbst zu tragen beginnen. Und die Verantwortung der ERWACHSENEN.

Platz der Erwachsenen

Wenn wir den Platz der ERWACHSENEN nicht einnehmen.

Jeder auf seine ganz subjektive, männliche und weibliche Art und Weise.


Denn die Kinder von heute, denen wir unser Leid übertragen, sind die nicht wirklich Erwachsenen von morgen, die ihr Leid wiederum an ihre Kinder weitergeben….

Das Leid unserer Kinder ist UNSER Leid. Und nur wir als mächtige ERWACHSENE sind in der Lage, das zu ändern.

Indem wir unser Leid wieder ganz und gar zu uns nehmen. Hindurch gehen und daraus – heiler – wieder hervorgehen. Er – wachsen.

Frei

Und frei werden.

Und uns dabei von dem natürlichen Frieden und der Liebe der Kinder berühren und helfen lassen.

Liebe und Frieden

Das ist mein Wunsch und mein Ziel.

Von |2013-08-26T12:29:03+02:0007.06.2011|Inneres Kind|1 Kommentar

Das göttliche Kind

Ich meinte mein göttliches Kind sagen hören:

Mir tut JEDE Deiner Handlungen an Dir selbst oder anderen weh, die trennt, die lieblos ist, die die Liebe sich nicht frei entfalten lässt, die nicht wirklich in Liebe geschieht.

Ich bin IN Dir. So verletzt Du michUND Dich mit jeder lieblosen Handlung.

Und andere.

Sei die Handlung nun bewusst oder unbewusst.

Sei die Handlung nunoffen männlich körperlich brutal oderverdeckt weiblich seelisch giftig.

Und Du verletzt uns genauso, wenn Du lieblose Handlungen an uns geschehen lässt ohne einzuschreiten…

Sei Dir das nun bewusst oder nicht.

Und ALLE Verletzungen werden sichunter Schmerzen auflösen

wenn Du in die Liebe kommst.

Das ist die ganze Wahrheit

DAS IST DIE GANZE WAHRHEIT!

Von |2009-03-05T10:16:50+02:0005.03.2009|Inneres Kind|1 Kommentar

Abschied von Dir, Mutter

In gutem Kontakt mit meinem Inneren Kind, in meiner Mitte und Ruhe, in stimmiger Nähe-Distanz mit Dir, Mutter, fühle ich nur Liebe und Frieden in mir. Ganz still, wohlig und geborgen.

Das tut so gut, Mutter.

Diese Liebe in mir will nichts, ist völlig in Frieden mit Dir und der Welt. Sie will nur, dass es Dir gut geht, wo immer Du auch bist.

Ich spüre Dich, Mutter. Oft mehr, als mir gut tut. Ich spüre, was Du brauchst. Und vergesse dabei, was ich brauche. So hast Du es mich gelehrt. Und in meiner tiefen Kinder-Liebeversuchte ich Dir alles zu geben, was Du Dir so sehr ersehntest.
Nie konnte ich es Dir wirklich geben und Dichnie ein Stück glücklicher sehen.

Jetzt habe ich oft heftige Wehen. Mein Kleiner kommt zur Welt. Immer und immer wieder ein Stück mehr.
Ich spüre ihn manchmal so tief. Er ist reine Liebe! Er liebt Dich zutiefst und ich muss ihm versichern, dass das Leben für Dich sorgt!

Er kann das nicht mehr, denn er muss hinaus ins Leben.

Und er will, dass ich erwachsen werde und gut für ihn sorge auf seinem Weg. Und das braucht viel Zeit und Mühe. Denn entlang dieses Weges stehen Angst und Pein, Verletzung und Schmerz, Mangel, Wut, Elend, Verzweiflung, unerträgliche Leere, grausame Einsamkeit, kalte Verlassenheit, Verlust, Grausamkeiten, Schläge, Krieg… und schwingen ihre Peitschen und Knüppel.

Immer wieder finde ich auf diesem Weg auch tiefste Stille und Frieden. Dann sprechen mein Kind und ich nur über unsere Augen. Der Augenblick dehnt sich ins Unendliche. Ich kann die Tiefe meines göttlichen Kindes spüren. Der Blick in seine Augen lässt die Welt still stehen.

Ich schicke Dir die Liebe, die mein göttliches Kind für Dich empfindet, Mutter. Und ich bete weiter um Heilung und Entwicklung.
Es tut oft weh, wenn ich an Dich denke. In unseren Schmerzen spüre ich die Tiefe unserer Verbundenheit.
Wenn der Schmerz jedoch Schmerz sein darf und sich nirgendwo mehr festmachen muss, wenn alle Schuld verflogenund das Kind mit allem geboren ist, existieren nur noch LIEBE und das reine SEIN!

Ich danke Dir aus tiefstem Herzen für Dich und Deine Liebe, Mutter!

So lasse ich jetzt los. Und bitte um Deinen Segen.

Hinaus ins Leben

Denn ich muss hinaus in die Welt.
Dein Sohn

Von |2009-01-20T16:22:28+02:0007.01.2009|Inneres Kind|0 Kommentare

Woran ich mein Inneres Kind erkenne!

Immer wieder stellt sich bei der Arbeit mit dem IK die Frage:
Wie erkenne ich mein Inneres Kind (IK) im Alltag?

Neben den angenehmen „Erscheinungsformen“ des (unverletzten)IK wie Kreativität, Spontaneität, Neugier undFreude, die einem meist gar nicht so stark auffallen (weil angenehm), gibt es da so einige eher „unangenehme Seiten“ des (verletzten) IK, die zwar sehr stark in ihren Auswirkungen sind und eigentlich leicht wahrgenommen werden könnten, bei denen wir jedoch gar nicht auf die Idee kommen, sie könnten von unserem IK stammen.

Einige davon sind unsere ganz tiefen Ängste, Verzweiflung, Resignation und Hoffnungslosigkeit.
Diese Gefühle sind oft so stark, dass wir gar nicht mehr realisieren, dass es da in uns auch noch einen Erwachsenenanteil gibt, der ganz real für das IK, das diesen starken Gefühlen ausgesetzt ist, sorgen könnte. Wir sind oft wie „ferngesteuert“ von diesen starken Bewegungen in uns.
Da wir gar nicht erst auf die Idee kommen, da könnte „nur“ ein Kindteil in uns aktiv sein, identifizieren wir uns voll und ganz mit diesem leidenden Kindteil und seinen Gefühlen und werden gleichsam zu diesem Kind. Das kann selbst nicht erkennen, dass es nicht mehr hilflos wäre, würde der Erwachsene ihm zu Hilfe eilen. Es erlebt sich in seiner als Kind real erlebten Hilflosigkeit wieder.
Der Erwachsene könnte es tatsächlich aus seiner Hilflosigkeit retten, wenn er etwas Abstand zu diesen oft sehr starken Gefühlen halten, diese Gefühle als die seines IK identifizieren und somit für es sorgen könnte. Kann er aber nicht, wenn ihn die Gefühle zu stark überfluten.

Stellen Sie sich vor, sie würden als Vater oder Mutter so bei Ihrem Kind aus Fleisch und Blut reagieren:
Hätte es sich weh getan, Sie würden schmerzlich mitweinen. Würde es zitternd aus einem Alptraum aufwachen, sie würden voller Angst mitzittern. Würde es aus Angst vor einem großen Hund schreien, sie würden zutiefst geängstigt mitschreien. Würde es in Resignation bei schlechten Noten versinken, sie würden den Kopf tief hängen lassen. Würde es sich völlig einsam und verlassen fühlen, sie würden in tiefe Depressionen fallen. Würde es handlungsunfähig vor einer Situation stehen, sie würden hilflos daneben stehen.
Sie wären so ihrem Kind keine Hilfe, da Sie sich nicht von ihm und seinen Gefühlen unterscheiden könnten und somit in die Hilflosigkeit des Kindes sinken und als Vater oder Mutter völlig ausfallen würden..
Das passiert Gott sei Dank bei den realen Kindern nicht so sehr, doch sind auch hier solche „Ausfalltendenzen“ festzustellen.

Bei unseren IK ist dies jedoch an der Tagesordnung: wir können uns als erwachsene, gereifte Menschen oft nicht mehr von re-aktivierten Gefühlen unserer Kindheit zumindest ein wenig distanzieren und so auch kein IK erkennen. Denn wir sind zu ihm geworden und im Schmerz und in der Unbewusstheit des Kindes verloren gegangen. Manchmal helfen da nur noch andere Menschen im Außen, die uns voller Verständnis liebevoll „auf der Kindebene versorgen“, bis wir wieder unterscheiden und unser IK als Erwachsene selbst in die Arme schließen können.

Wesentlich für das Erkennen und damit die Annahme unseres IK ist also, dass wir die Tatsache unserer Verletzungen in der Kindheit und die Existenz aller daraus resultierenden „unangenehmen Gefühle“ akzeptieren können.
So sind wir unserem IK in Krisenzeiten, wenn´s also weh tut, unangenehm wird, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sich breit machen, so nah, wie sonst selten. Genau das sind die Phasen, wo wir besonders lernen können, es zu erkennen und für es da zu sein. Will ich aber keine“unangenehmen“ Gefühle haben, ist es, als lehnte ich mein IK ab und kann es so auch unmöglich erkennen, geschweige denn für es sorgen.
Dochdas sollten wir, am besten im Besten im täglichen Austausch,auch „bevor´s brennt“.

Also, halten Sie sich ganz besonders in Krisenzeiten „selbst die Stange“! Gerade hier zeigt sich Ihr IK und braucht besonders viel Verständnis, Wärme, Liebe, Zuwendung. Vermeiden Sie besonders in Krisenzeiten Abwertungen, Druck, Grobheiten (auch in Ihren Worten!)und Leistungsanforderung Ihnen selbst gegenüber (das sollten Sie natürlich immer tun!). Denn das IK erlebt seine tiefsten Ängste noch einmal und möchte endlich gesehen, angenommen und geliebt werden. Von IHNEN! Dem ERWACHSENEN! Sie können sich ausnahmsweise ja auch mal einen „Babysitter“ holen, wenn´s Ihnen gar zuviel wird, das wird Ihnen Ihr IK nicht verübeln :-)!

Es ist wahrlich eine sehr große Herausforderung, dem IK in Krisenprozessen wirklich gerecht zu werden. Der Lohn dafür ist ein lebensfrohes, kreatives und begeisterungsfähiges IK.

Kindlicher Co-Therapeut

Ich wünsche jedem viel Geduld, Liebe und Erfolg bei der Selbstannahme seines IK, vor allem da, wo´s weh tut!

Von |2008-08-28T17:00:58+02:0028.08.2008|Inneres Kind|2 Kommentare

GROSS und klein

Was tätest Du, wenn Du keinen Verstand mehr hättest?
Der Dein Verhalten ständig nach „gut“ und „schlecht“ abrastert!
Wenn Du Dich gedankenlos, ganz und gar nur dem Leben überließest?
Wie Du es als kleines Kind getan hast…als Du noch nicht reden und so auch nicht in Worten denken konntest
Wo Du noch keineWertung kanntest, die kam erst über die Worte, Gedanken, den Verstand
Durch die Eltern, das „Aussen“…das „Innen“ kennt keine Wertung

Du würdest bei Schmerz einfach weinen und schreien – ohne dies als schlecht zu bewerten
Du würdest bei Wut einfach nur brüllen und aggressiv sein – ohne dies als böse zu bewerten
Du würdest bei Traurigkeit einfach nur weinen – ohne Scham, ohne dies als peinlich oder unziemlich zu bewerten
Du würdest bei Angst und Not einfach nur nach Hilfe rufen – ohne dies als lästig oder abhängig zu bewerten

Du würdest einfach tun wonach Dir ist
Aussen SEIN wie Du Innen BIST
ohne über die Folgen nachzudenken
ohne Angst zu haben, die Tränen würden nie aufhören, der Schmerz nicht nachlassen, die Wut alles überrennen und vernichten…
ohne Angst zu haben, Deine Liebsten würden sich von Dir abwenden, Dich bestrafen, schlagen, demütigen, verlassen, ignorieren, zu Tode schweigen, Dir ihre Liebe entziehen…
Damals warst Du klein, hilflos, ausgeliefert…

Jetzt bist Du GROSS, stark, mächtig…

So kannst Du jetzt Deinem Inneren Kind ermöglichen, alles auszudrücken,
was es sich damals nicht mehr auszudrücken getraute, vor lauter Angst…

Denn DU bist ja jetzt da, ein erwachsener, reifer, liebender Erwachsener
der sein Inneres Kind nicht verlassen, bestrafen, demütigen, schlagen…wird
wenn es sich ausdrückt, weil es Kind, weil es einfach Mensch ist…
Selbst wenn sich aussen Menschen von Dir tatsächlich wieder abwenden, Dich versuchen zu bestrafen, zu demütigen…

DU, die/der GROSSE BIST DA

das ist das Einzige, was Dein Inneres Kind, das kleine braucht, um sich zeigen zu können…
und von Dir in der Arm genommen zu werden, in Liebe empfangen, worauf es noch immer wartet…

Denn das ist seine einzige Bestimmung!
Geliebt zu werden, um zu einem liebevollen, erwachsenen Menschen reifen zu können.

Und sein Ausdruck ist der Ausdruck des Lebens.

 

Von |2019-09-15T16:01:53+02:0031.12.2006|Inneres Kind|0 Kommentare

Über das „Innere Kind“

Das „Innere Kind“ ist ein Modell, also die Vorstellung von einer „Wirklichkeit“ in uns, die wir nicht sehen können. So wie man ein „Wassermolekül“ nicht sehen kann, kann man auch ein „Inneres Kind“ nicht sehen. Man kann nur die äussere Erscheinung (Wasser) oder die Wirkung (z.B. Angst vor dem Alleinesein) wahrnehmen oder fühlen.

Die Geschwindigkeit des in der Natur üblichen Lernverhaltens nach „Versuch und Irrtum/Erfolg“ konnte in der Physik und Chemie durch Formeln und Modelle, also durch Abstraktionen von „der Wirklichkeit“ beschleunigt werden.
Warum sollte das nicht auch im sozialen und psychologischen Bereich funktionieren?!

Was und ob nun für jemanden etwas „Wirklichkeit“ ist bzw. wird oder nicht, kann man nur im Tun und Erleben feststellen. Und diese Wirklichkeit ist sehr subjektiv. Jedes Modell ist nicht für jede Situation bzw. jeden Menschen tauglich.
Ich nenne das Innere Kind in diesem Rahmen ein Modell, also eine Vorstellung von einer „Wirklichkeit“ , damit die Subjektivität des Ganzen klar bleibt.
Für mich persönlich ist der „Umgang mit meinem Inneren Kind“ inzwischen so vertraut und selbstverständlich geworden, dass ich keine Trennung zwischen Vorstellung und „Wirklichkeit“ mehr erlebe. Für mich ist „mein Inneres Kind“ subjektive Wirklichkeit, kein abstraktes Modell mehr. Das heisst, im Laufe meines Lernprozesses hat sich dieses Modell des Inneren Kindes für mich so „bewahrheitet“ und bewährt, dass ich vergessen habe, dass es ein Modell ist.

Das ist eben eine sehr menschliche Eigenschaft, dass wir eine Vorstellung von etwas für „die Wirklichkeit“ halten, wenn wir es nur lange genug so gelebt haben. Doch an irgendwas müssen wir uns scheinbar halten. Und mir persönlich ist es einerlei, ob es nun eine „Wirklichkeit“ oder nur die Vorstellung von dieser „Wirklichkeit“ ist, was immer auch diese mysteriöse „Wirklichkeit“ sein mag! Mir ist wichtig ob sie mir dienlich ist oder nicht.
Kinder haben damit generell kein Problem: sie machen in ihrer Phantasie alles zur „Wirklichkeit“, Hauptsache es macht Spaß!! Das heißt, sie handeln einfach nach dem Lustprinzip: ich habe Spaß, also bin ich! Ganz schön gerissen, die Kleinen! Warum sich nicht etwas davon abschauen?

So habe ich inzwischen eine innige Beziehung zu meinem Inneren Kind aufgebaut. Es hatte viele Jahre unbeachtet irgendwo in einer verstaubten Ecke meiner Seele und Psyche gelegen und auf die Erweckung aus seinem Dornröschenschlaf (auch Jungs wollen wachgeküsst werden) gewartet. Und es ist nicht einfach, sich so zu lieben, dass man sich selbst wach küssen mag. Hat man doch so viele Jahre Menschen so viel Schlechtes über einen reden hören. Wer sollte so jemanden schon küssen wollen. Und es ist auch um ein vielfaches romantischer (und bequemer), sich wach küssen zu lassen! Ich glaube, es sind die Inneren Kinder, die endlich wachgeküsst werden, das heißt gesehen und geliebt werden wollen. Und zwar von uns!

Das Modell des Inneren Kindes ist ein Modell, das dem einen oder anderen helfen kann, einen befriedigenderen und lustvolleren Umgang mit sich selbst in seiner ganz individuellen Lebenssituation zu finden. Natürlich nur da, wo ein Bedarf für Veränderung zu spüren ist. Und das ist meistens da, wo wir leiden. Und das tun wir wiederum (noch immer) da, wo wir als reales Kind, also während unser Kindheit bereits gelitten haben.

Mir hilft es dabei sehr, mir mein Inneres Kind immer als ein Kind aus Fleisch und Blut vorzustellen, also als einen realen Jungen, den ich nun hier bei mir habe und mit dem ich einen Umgang finden muss, weil er gerade so unruhig, gedrückt, wütend, traurig oder sonst was ist. Dabei ist sein Alter sehr variabel, weil die Themen, die in meinen Leben berührt werden, sehr verschiedene Altersstufen und die darin „gespeicherten“, realen Verletzungen meiner Kindheit betreffen. Wenn zum Beispiel Verlassenheitsängste in mir ausgelöst wurden, braucht mein Inneres Kind bedingungslose, mütterliche Zuwendung.

Diese Beispiel zeigt auch bereits das Wesen im Umgang mit dem „Inneren Kind“: es geht darum, seinem Inneren Kind – endlich wach geküsst – selbst Vater und Mutter zu werden, für sich selbst zu sorgen. Für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. Und es ist eine große Verantwortung und eine oft nicht leichte Aufgabe, ein Kind beim Großwerden zu begleiten. Wer selbst Kinder hat weiß, dass das Leben mit der Geburt eines Kindes nicht mehr das gleiche ist, wie zuvor.

So ist es auch mit dem Inneren Kind: Wer soweit ist, sich auf die Reise zu seinem Inneren Kind wirklich einzulasssen und die Elternschaft für dieses zu übernehmen, lernt sich und seine wirklichen Bedürfnisse immer mehr selbst kennen. Man muß sich dazu von der in unserer Gesellschaft üblichen Wunschvorstellung, alles soll so bleiben wie es war, verabschieden. Ebenso von der Vorstellung, alles soll leicht und einfach sein. Schmerzen dürfen dabei schon gar nicht auftauchen. Doch was tun, wenn meine Kinderseele in der damaligen Situation einfach Schmerz empfand?! Ich kann meinem Inneren Kind nicht begegnen, wenn ich seine Schmerzen weghaben will. Damit ignoriere ich es wieder, schicke es weg. Und wiederhole so sein Drama von damals: wenn es ausdrückt, was es fühlt, wird es von Mama und/oder Papa abgelehnt, weil diese unbewußt an ihre eigene, schmerzhafte Kindheit erinnert werden, in der sie selbst auch nicht fühlen durften. „Ich darf nicht fühlen“ ist die Botschaft, die viele von uns als Kind mitbekommen haben.
Auch diese gnadenlos hohe Geschwindigkeit und Leistungsanforderung, die soviele Bereiche in unserer Gesellschaft diktieren, kann man in keinster Weise auf die Begegnung mit dem Inneren Kind übertragen. Liebe, Geduld, Hingabe und auch eine Portion Demut sind da angesagt. Wir haben 15 – 20 Jahre gelernt, unsere Gefühle zu unterdrücken, wie sollte ich nach einer Aufstellung und 2 Seminaren das verarbeitet und zu fühlen wieder erlernt haben?!
Es geht nicht darum, das Innere Kind und seine Themen schnell „abzuhandeln“ (damit der Schmerz vorbei ist). Es geht vielmehr darum, sein Inneres Kind liebevoll in sein Leben zu integrieren, es anzunehmen als Teil von einem selbst. Ein Kind zieht man ja auch nicht schnell mal groß, um es dann loszuhaben. Es begleitet einen sein Leben lang, wie auch immer.

Ich bin auf meiner – bewußt und aktiv bisher etwa 10 Jahre andauernden – Reise zu meinem Inneren Kind meinen alten Verletzungen immer wieder begegnet, um sie endlich wahrzunehmen, ernst zu nehmen und auszudrücken. Ich begegne ihnen noch immer. Und ich habe immer mehr gelernt, damit umzugehen. Und so in Teilbereichen meinen inneren Frieden gefunden. Mit dem Annehmen meines Inneren Kindes mit all seinen Gefühlen ist auch meine (kindliche) Lebendigkeit, Neugier und Lebenslust wieder zum Vorschein gekommen.

Die Reise zum Inneren Kind ist – so habe ich es zumindest erlebt -wahrlich kein leichtes Unterfangen. Doch es ist eine Möglichkeit, seine innere Freiheit und natürliche Selbstbestimmtheit wiederzuerlangen. Denn sobald ich für mein Inneres Kind sorge, schenkt es mir all die Lebendigkeit und Gefühle, die ich im Laufe meiner Kindheit verloren bzw. zu verstecken gelernt habe. Es zeigt mir wieder was es im Grunde bedeutet, zu LEBEN! Es bedeutet, einfach LEBENDIG zu sein.Für mich als erwachsenen Mann bedeutet es insbesondere, meinem Leben zu folgen. Zu tun, was ich „zu tun habe“.

Hopekind

Und das spüre ich besonders, wenn ich meinem kleinen Jungen lausche.

Von |2006-09-22T14:57:47+02:0020.09.2006|Inneres Kind|7 Kommentare
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