Allgemein

Wie viel Freiheit verträgt eine Beziehung?

Diese Frage seiner Freundin brachte ein Mann in der letzten Männergruppe mit und sie wirbelte viel Staub auf.

„Soviel jeder braucht“, war die am stärksten favorisierte Antwort.

 

Die Frage arbeitete in mir weiter.

Mit „Beziehung“ war hier die „Beziehung“ zwischen Mann und Frau gemeint. Doch letztlich gilt das für alle Formen von „Beziehung“.

Für mich ist die Frage sowohl irreführend, als auch in sich widersprüchlich, bzw. sie spiegelt aus meiner Sicht einen inneren Widerspruch des Fragestellers.

Ich würde das Thema „Beziehung und Freiheit“ so hinterfragen: „Inwieweit beziehen sich ein Mann und eine Frau, die sich „zusammengetan haben“, wirklich auf den anderen, auf-ein-ander?“

Antwort: „Nur soweit sie überhaupt die innere Freiheit dazu haben und es aus dieser heraus wirklich gerne wollen.“

Mit „innere Freiheit“ meine ich dabei die Freiheit von alten Mustern und Programmen. Die Freiheit von der Gewohnheit, die „Beziehungs-Vergangenheit“ als Kind mit den Eltern auf die „Beziehungs-Gegenwart“ als Erwachsener mit dem Partner zu übertragen.

Oder anders ausgedrückt, was in einem „Zusammenschluss von Mann und Frau“ NICHT aus innerer FREIHEIT heraus geschieht, IST KEINE wirkliche Beziehung! Es ist nur eine Wiederholung alten Beziehungsgeschehens, alter Beziehungs-MUSTER. Denn Mann und Frau beziehen sich aus einem Muster heraus gar nicht wirklich aufeinander, auf den ganz realen Menschen im Hier und Jetzt, sondern auf Personen aus der Vergangenheit, insbesondere auf die Mutter (der Mann) oder auf den Vater (die Frau).

Dieses „Übertragungsgeschehen“ ist mehr oder weniger umfangreicher Alltag jeder „Beziehung“.

Dies ist jedoch jenseits jeder Freiheit und jenseits jeder wirklichen Beziehung.

Hinter all diesen Übertragungen steckt letztlich der unbewusste Versuch, die Verletzungen aus der Kindheit zu heilen, indem man das Geschehen wieder und wieder re-inszeniert, um es endlich zu meistern. Doch wird keine Heilung geschehen, kommt nicht der bewusste Erwachsene dem hilflosen inneren Kind zu Hilfe.

In einer „realen Beziehung“ bedeuten obige Annahmen für mich, dass es immer eine Lernbeziehung sein muss, will man nicht irgendwann an die Grenzen des „Beziehungs-Erträglichen“ stoßen … man kann als erwachsene Frau nicht „beliebig weitreichend“ mit einem Jungen eine Frau-Mann-Beziehung leben … und als erwachsener Mann nicht „beliebig weitreichend“ mit einem Mädchen eine Mann-Frau-Beziehung …

Der gegenseitige seelische Missbrauch springt einen förmlich an, stellt man sich die jeweiligen Kindanteile als Kinder aus Fleisch und Blut vor.

Innerhalb dieses Lernprozesses verträgt eine „Beziehung“ nur das an „Freiheit“, was die beiden an Ablösungsprozessen von Mutter undVater bereits durchlaufen sind. Jede „Freiheit“ darüber hinaus gefährdet den unbewusst geschlossenen „Beziehungskontrakt“ des Paares.

Eine junge „Beziehung“ verträgt also meist noch sehr wenig, ich nenn´s mal „äußere Freiheit“, sie braucht noch sehr ausgiebig das „Wir zwei gegen den Rest der Welt“. Die alten, kindlichen Ängste, die hier bei zu viel „Freiheit“ hochkochen, sind noch zu viel für junge Menschen.

Doch im Laufe der Zeit engt dieser „Anti-Angst-Beziehungs-Kontrakt“ die Bewegungsfreiheit so ein, dass sich eine Krise anbahnt. Diese ist der Impuls für den nächsten Ablöseschritt – von Mama und Papa. Das bedeutet in keinem Fall prinzipiell eine „Ablösung“ = Trennung vom Partner!

Nur da, wo die Ablösung von den Eltern vollzogen ist, bin ich in der Lage, wirklich Beziehung zu leben. Nur da sehe ich als Mann in meiner Partnerin nicht mehr ständig die eigene Mutter. Analoges gilt für die Frau.

Wenn beide Partner vollständig abgelöst sind, sagt das wiederum nichts darüber aus, was das Paar dann real miteinander lebt, wie sich die Beziehung der zwei nach außen zeigt, wie also eine „wahre Beziehung zwischen Mann und Frau“ aussieht.

Jede Beziehung ist so einmalig, wie die Menschen, die miteinander in Beziehung gehen. Es gibt keine „allgemein gültige“, äußere Erscheinungsform einer – ich nenn´s mal natürlichen Beziehung.

Beziehung wächst nur aus innerer Freiheit. Sie ist das natürliche Ergebnis in der Begegnung von Menschen, die völlig im Hier und Jetzt leben. Es ist nichts Gemachtes oder Gewünschtes/Gewolltes und schon gar nichts Erzwungenes.

(Kleine) Kinder haben diese Fähigkeit zu natürlicher Beziehung noch und sind hierfür die besten Lehrmeister.

Sie beziehen sich im Kontakt mit Dir ganz und gar auf

DICH!

Von |2015-08-02T22:31:16+02:0002.08.2015|Allgemein|10 Kommentare

Hässlichkeit

Schon beim Lesen oder Aussprechen dieses Wortes ist man versucht, lieber in Abstand zu gehen.
Wer beschäftigt sich schon gerne mit Hässlichkeit?! Nicht von ungefähr steckt HASS in diesem Wort.

Was ist „Hässlichkeit“?
Hässlichkeit beschreibt etwas, womit Kontakt zu haben wir lieber meiden, etwas Abstoßendes, vielleicht „Ekliges“, Abgelehntes … etwas, was wir vielleicht auch hassen, weil es uns etwas zeigt, was wir nicht sehen wollen. Also etwas zu Hassendes?!

Äußere „Schönheit“ und „Hässlichkeit“ in der Gesellschaft
In einer so „schönen“ Welt, wie sie uns die Medien ständig vorgaukelt, ist Hässlichkeit der Grausamkeit der „Inquisition der modernen Gesellschaft“ gnadenlos ausgeliefert. „Hässliche“ sind Ausgestoßene, „man ist schön“ bei uns.

Wohlgemerkt geht es in den Medien dabei um „äußere Schönheit“, die bestimmten Idealen entspricht und um „äußere Hässlichkeit“ – die diesen Idealen zuwiderläuft. Ideale unterliegen Modetrends und haben keine Beständigkeit, keine ursprünglich menschlich-natürliche Realität.
Sie sind Kopf-Konstrukte raffinierter Werbestrategen, die mit den (verletzten) Gefühlen der Menschen spielen, um einen erhöhten Umsatz zu erreichen.

Ich spreche hier von einer ganz anderen Hässlichkeit:
der Hässlichkeit, die wir durch unser Verhalten im Laufe unseres Lebens selbst erzeugen.
Es ist dies keine nach äußeren Kriterien unbedingt sichtbare „Hässlichkeit“ und auch keine, die wir grundsätzlich schon von Geburt an „mit im Rucksack dabei“ hätten (sieht man von Reinkarnation einmal ab), sondern die Hässlichkeit, die sich erst im Laufe der Zeit aus nicht geheilten seelischen Verletzungen der Vergangenheit (v.a. der Kindheit) und den daraus selbst erzeugten „Schmerz-Vermeidungs-Programmen“ und Verhaltensweisen herausbildet.

Hinter jeder Hässlichkeit versteckt sich eine natürliche Schönheit
Als ich ein Bild für diesen Artikel suchte, wurde mir klar, wie schwer dieses Wort für mich mit einem Bild so widerzugeben ist, dass es nicht einfach nur die oberflächliche Bedeutung des Wortes darstellt, sondern v.a. die Hässlichkeit in unseren Verhaltensweisen, in dem, was wir TUN.
Es kamen nach langem Suchen nur noch die Bilder in Frage, die etwas ursprünglich Schönes zeigten, das „hässlich“ geworden war: dadurch, dass „es gestorben“ war, das „etwas“ gestorben war, verunstaltet, missbraucht, das Natürliche, das Lebendige …
Ich wurde bei meinen Bildern nicht fündig (wollte wohl das Hässliche nicht in der Sammlung haben), doch wurde mir bei meinen Überlegungen klar, dass hinter jeder „Hässlichkeit“ eine ehemalige (natürliche) „Schönheit“ stecken muss, sonst – ohne eine Vergleichsmöglichkeit zu „Schönheit“ – würde man nicht „Hässlichkeit empfinden“ können.

Auch wurde mir klar, dass man, um überhaupt „Hässlichkeit empfinden“ zu können, die ursprüngliche Schönheit des „Hässlichen“ – zumindest unbewusst – kennen muss.

Nochmal zur Wiederholung: ich meine hier das Hässliche und Schöne im Verhalten von Menschen, nicht ihr äußeres Erscheinungsbild. In diesem können sich allerdings innere Schönheit und Hässlichkeit eines Menschen spiegeln!

Und es wurde mir klar, dass ich mich aktiv auf die Suche nach der ursprünglichen Schönheit hinter der Hässlichkeit meiner eigenen Verhaltensweisen begeben kann!!

Als hässlich empfinde ich,
wenn etwas, was in seiner Art und Weise, in seinem Verhalten natürlich schön war (und „in der Tiefe“ noch immer ist), durch die Einwirkung von Menschen hässlich gemacht wurde, indem es seiner Ursprünglichkeit, „Unschuld“, Natürlichkeit und natürlichen Lebendigkeit beraubt wurde.

Wieder schöner werden
Wie ein gesunder Baum im Lauf der Jahre immer schöner wird, immer reicher Blüten und Früchte trägt, sollte auch ein Mensch beim Älterwerden schöner und „fruchtbringender“ werden.

Dazu muss ich mir meiner angeeigneten, oft noch sehr unbewussten Hässlichkeit im Verhalten bewusst werden und mich ihr stellen. Es braucht SEHR viel Mut, um seiner eigenen Hässlichkeit in Form hässlicher Verhaltensweisen in die Augen sehen zu können. Es widerstrebt dem Anspruch, „schön“ sein zu müssen, um nicht Ausgestoßener zu werden.

Wenn man nun schon äußeren Schönheitsidealen entsprechen muss, um etwas wert zu sein unddazugehören zu dürfen, kann man noch schwerer den Mut aufbringen, sich seinen „inneren Hässlichkeiten“ zu stellen.

Es ist wichtig zu Erkennen, dass diese inzwischen hässlich gewordenen Verhaltensweisen oder deren „Weiterentwicklung“ (überwiegend) Relikte aus der Kindheit sind, die damals eine notwendige seelische Anpassungsstrategie („Notlösung“) für das Kind waren. Die einem jedoch jetzt als erwachsenem Menschen völlig im Wege stehen, folgt man blind ihren „Programmen“.

Wie es anders gehen könnte?
– die Hässlichkeit im eigenen Verhalten sehen ohne mich dafür zu verurteilen, ohne mich darin (gedanklich-emotional) zu verlieren und ohne dieses Verhaltensprogramm blind auszuagieren (Hilfe von anderen Menschen annehmen, nicht alleine damit bleiben)
– die Verhaltensweise(n) solange beobachten, bis ich erkenne, wo ich als Kind dieses Verhalten als Schutz erlernte und brauchte
– in Kontakt mit diesem Kind gehen („Arbeit mit dem Inneren Kind“) und lernen, für es unmittelbar zu sorgen, sodass es das entsprechende (unbewusste) Schutzverhalten langsam ablegen kann
– niemals aufgeben:-) In dem Wissen, dass es fließende Wachstumsprozesse sind, bei denen es natürlicherweise auf und ab geht und die Schönheit“kaum merklich-schleichend“ kommt …

    Was Schönes

🙂

Von |2014-03-02T17:30:39+02:0002.03.2014|Allgemein|0 Kommentare

Im Feuer des Schmerzes

Schon immer waren Kopfschmerzen bis hin zu Migräne etwas, womit ich meist keinen rechten Umgang fand, obwohl ich wusste, dass sie v.a. psychosomatischer Natur waren. Ich litt (und leide auch heute noch manchmal) sehr darunter. Tabletten wollte ich meist nicht. Ich wollte verstehen, „was der Schmerz von mir wollte“.

So hatte ich auch heute wieder mal – ausgelöst wohl durch Nackenverspannungen – starke Migräne und wusste nicht, wohin mit mir und den heftigen Schmerzen.
Ich entschied zu tun, was ich zzt. oft tue: ich ging in „mein Cafe“ und schrieb. Der Nacken verkrampfte grausam, die Augen tränten, der Kopf pochte, sogar das Ohr tat weh.
Manchmal hatte ich regelrechte Hitzeschübe, als hätte ich Fieber und würde verbrennen.
Der Schmerz packte mich mit eiserner Faust im Nacken, er war „unerträglich“. Doch ich ertrug ihn wie immer.

Ich versuchte immer zu verstehen, was ich denn durch diesen Schmerz verstehen sollte, die „Botschaft dahinter“, so auch diesmal. Und ich machte mir all die Ängste bewusst, die mir grad durch diese Schmerzen hochkamen. Es waren Mengen.
Sie hatten mich schon fast „aufgefressen“. Damit verbunden fühlte ich nur noch Negatives in mir.
Ich mobilisierte meine ganze Entschiedenheit, machte mir meine momentane Lebenssituation klar und versuchte, einen Zusammenhang herzustellen.

Und ich bat um Hilfe.

Ich schrieb lange weiter, setzte mich damit auseinander.

Dann verstand ich, es machte regelrecht „klick“:
es war das Wort „unerträglich“, das mich plötzlich verstehen liess, dass das Leben mich so unter Schmerz setzt, mich so „gaga“ macht, mich regelrecht im Schmerz verbrennt, dass ich eben nicht mehr ertragen KANN und loslassen MUSS. Nicht indem ich Schmerztabletten nehme, sondern indem ich den Schmerz ausdrücke, ihm nachgebe und herausfinde, wozu mich dieser Schmerz drängt.
Bereits nach dieser Erkenntnis lies der Schmerz nach. Ich war echt verblüfft und dankbar, so unmittelbar hatte ich es noch nie erlebt. Ich war wieder „in mir zuhause“ und die meisten Ängste waren wie „nie vorher wirklich da gewesen“, einfach weg! Krass!

Ich fragte mich, was für Vorgänge denn da in meinem Innersten ablaufen, dass so schnelle Wechsel möglich waren. Doch wichtiger als das intellektuelle Verstehen war mir die Tatsache des nachlassenden Schmerzes.

Und mir wurde plötzlich kristallklar, so als hätte jemand die „Tür zur Inneren Einsicht“ geöffnet, dass der Schmerz nicht mein Feind ist, den ich (mit Medikamenten) bekämpfen und besiegen muss, sondern mein unbestechlicher, in seiner Konsequenz manchmal grausam wirkender „Innerer Entwicklungshelfer“.

Und dass diese Entwicklung passiert, indem ich dem Schmerz FOLGE!!!

Dass ich ohne ihn keine wirkliche Entwicklung in den Bereichen, in denen innereVerletzungen und daraus entstandene Wachstumswiderstände mich zurückhalten , machen könnte.
Er lässt mich einfach nicht los, nicht alleine.
Er hat eine Funktion zu erfüllen. Wie ein Organ, ohne dessen Funktion Leben oder seine Entwicklung nicht möglich wäre.

Ist seine Funktion erfüllt, bin ich ihm also dahin gefolgt, wohin er mich bringen sollte, kann der Schmerz sich wieder zurückziehen. Genau das konnte ich heute so deutlich erleben.
Er führte mich so deutlich „nach Hause“, zu mir selbst, dass mein Blickwinkel auf ihn sich noch einmal stark verändert hat.

Ja, der Schmerz ist wahrlich ein strenger Lehrer, seine Feuer brennen heiß.

Je heftiger die Verletzungen in uns, umso stärker die Widerstände gegen Entwicklung und umso heftiger irgendwann die seelischen und/oder körperlichen „Feuer des Schmerzes“, die uns im Grunde aber nur den Weg weisen wollen.

Und ich konnte es spüren:
so hart diese Schmerzen sein und für wie unmenschlich wir sie auch erklären mögen, letztlich entspringen sie doch dem Lebensprinzip des Lebens: der LIEBE!
Denn sie will reife und glückliche Menschen.

Wir sind soweit von für Menschen natürlichen Lebensbedingungen abgekommen, dass diese LEBENSLIEBE oft groteske und entsprechend heftige Formen annehmen muss, um uns den Weg nach Hause zu weisen.
So heftig, wie wir Menscheneben mit uns selbst und anderen, v.a. auch mit Kindern real umgehen. Man braucht nicht einmal die Zeitung aufzuschlagen, es reichen Beobachtungen im Alltag, auf der Straße, in der Arbeit, zuhause, bei sich selbst…. und man weiß, dass dem so ist.

So habe ich heute den Schmerz zum ersten mal nicht besiegt und bin ihm auch nicht hilflos erlegen, sondern ich bin ihm gefolgt, bewusst durch seine Feuer gegangen.

Und ich hab verstanden:
Schmerz ist keine Strafe für verfehltes Leben, sondern die Antwort des Lebens darauf , wie weit wir uns von uns selbst und dem Leben entfernt haben. Er ist EIN Ausdruck der Liebe. So anders es auch scheinen mag.

Der Schmerz versucht uns immer wieder dahin zu bringen, wo wir eigentlich alle hinwollen: zu uns selbst, „nach Hause“.

Und er steht für eine unglaublich starke Entwicklungs – Energie, die „will“ und es uns ermöglicht, dass wir wieder „nach Hause“ kommen können, wenn wir ihr folgen. Tun wir das nicht, erzeugt diese Energie eine innere Blockade und führt so zu seelischem und/oder körperlichem Schmerz.

Schmerz und auch Angst sind also primär Ausdruck von Lebens – Energie, die von uns aber meist nicht dahin gerichtet wird, wohin sie von Natur aus tendiert und somit schmerzhafte Energieblockaden in uns erzeugt.

So habe ich heute erleben dürfen, wie Schmerz tatsächlich völlig anders, nämlich als Energie verstanden und „eingesetzt“ werden kann und war über die spontane Wirkung völlig erstaunt, erfreut und dankbar.

Im Feuer des Schmerzes 2

Ich wünsche uns allen den Mut, uns von der Feuerenergie des Schmerzes erfassen zu lassen und sie immer mehr als Entwicklungshilfe erleben zu können.

Von |2010-01-11T16:00:17+02:0009.01.2010|Allgemein|1 Kommentar

Weihnachten und Maskenspiel

Gestern trommelte ich in einer Schule mit den Schülern, zwei Stunden ohne Unterbrechung. Es machte einen Riesenspaß. Ich erlebte die Schüler so offen, voller Hingabe und Freude, so lebendig im gemeinsamen Rhythmus.
Auch einen Lehrer, der eine Zeit lang dabei war, erlebte ich lebendig wie die Schüler. Das freute mich ganz besonders.

Da waren auch andere Lehrer und die lösten Erinnerungen an meine Schulzeit und Kindheit aus.
Lehrer, die vor allem funktionieren, die keinen wirklich herzlichen Kontakt zu den Schülern haben und auch nicht zu sich selbst. Lehrer, die große Reden schwingen und dahinter ganz und gar nicht zu spüren sind. Die einfach so tun „als ob“.
So war auch der Dank des Direktors reine Pflichterfüllung, ich spürte, wie weit weg er war.

Und so fielen mir weitere, „hochoffizielle“ Situationen und Personen, Pfarrer, Politiker, Vorsitzende ein… die vor allem zu besonderen Anlässen große Reden schwangen und dabei keinerlei Verbindung zu dem hatten, was sie sagten und es auch nicht lebten.
Und sie hatten auch keinen Kontakt zum Publikum. Reden war nur Mittel für ihren Zweck.

Einmal sagte ein Direktor bei der Ansprache zum Schulanfang zu den Eltern, zu denen auch ich gehörte:
„Sie können sich darauf verlassen, dass wir ihre Kinder im katholischen Glauben erziehen!“. Was ihm selbst wohl entgangen war, war die Tatsache, dass er bei diesem Satz dreimal kräftig mit geballter Faust auf sein Rednerpult schlug und mit welchem Nachdruck er dabei sprach.
Ja, seine Worte sollten wohl etwas „Gutes“ vermitteln, seine Körpersprache machte mir aber eher Angst. Denn sie zeigte die Lüge hinter so mancher „frommer Rede“ von Kirche, Schule, Staat und anderen Institutionen und ihren „Vertretern“.
Was für ein Maskenspiel!

Nun ist Weihnachten. Und da geht’s mir nicht anders. Weihnachten, das Fest der Liebe.
Doch wie kann man nur so blind sein, völlig unkritisch alte Traditionen aufrecht zu erhalten, ohne dahinter zu sehen?
Nur um ein Stück kindlich – illusionäre Geborgenheit aufrechtzuerhalten.
Das hatte schon immer und hat immer wieder einen hohen Preis.
Wie viel Leid und Probleme zeigen sich nämlich in Wirklichkeit hinter der Maske der Liebe an Weihnachten.
Wenn man dahinter sieht.
Doch wer will das schon. Es könnte das letzte bisschen an Hoffnung und „Schönem“zerstören.

Wenn ich nicht dahinterschaue,KANN ich es nicht verändern. Also schaue ich nicht dahinter, wenn ich es nicht verändern WILL.Würde ich dahinter schauen,MUESSTEich es verändern.

Ich kann den gut verstehen, der das nicht will. Denn dahinter tut es ziemlich weh. Schon lange.
Doch so kann auch nichts anders werden.

So halten sich die meisten weiterhin nur an der Zeremonie, dem Christbaum mit seinem funkelnden Licht, dem Schenken, dem Essen und Trinken fest. Ist ja auch schön. Doch der Inhalt der Zeremonie ist oft alles andere als mit Liebe gefüllt…

Ich litt als Kind sehr unter diesem Maskenspiel der Erwachsenen, der „So-tun-als-ob“-Maske, der Maske der Gesellschaftslüge. Sie verletzte mich sehr, die Erwachsenen dahinter verletzten mich sehr.

So muss ich echt aufpassen, dass ich Menschen, die mir heute mit der gleichen Maske begegnen, nicht für meine alten Verletzungen verantwortlich mache und sie ablehne.

Ich bin froh, endlich gelernt zu haben, mehr oder weniger hinter die Masken schauen zu können. Und das macht mir Hoffnung.
Denn es ist immer noch so: ich möchte gerne die Menschen hinter den Masken kennen lernen. Denn dort sind die Menschen schön. Ihre Masken finde ich mehr oder weniger hässlich, im besten Falle noch lustig.

Und das kann ich jetzt oft viel besser, den Menschen hinter der Maske zu sehen. Weil ich (durch) seine Maske einfach durch-schaue.

So wie ich es als Kind intuitiv schon immer konnte, aber nicht das Bewusstsein dafür hatte. Ich spürte nur, dass sich bei vielen Erwachsenen etwas gar nicht gut anfühlte, ich fühlte mich bei ihnen nicht wohl.
So wünsche ich uns allen den Mut, uns unserer eigenen Masken bewusster zu werden und Schritte zu machen, sie abzulegen.

Maskenspiel

Ja, ich stelle mir eine Welt voller schöner Menschen vor. Manchmal kann ich sie sehen. Und selten sogar erleben. So wie immer wieder bei meinen Klienten.
Und gestern bei den Schülern.
Das war mein besonderes Weihnachtsgeschenk dieses Jahr.
Es kam zu mir, weil eine junge Frau initiativ und mutig war. Meine Tochter.
Danke, liebe Ronja! 🙂

Diese schöne Welt ist immer schon da.
Hinter den Masken.
Bei den jungen Menschen ist sie noch gut zu sehen.

Wie schön!
Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Klaus

Von |2009-12-24T10:21:46+02:0024.12.2009|Allgemein|0 Kommentare

Spiritualität

Was für ein (emotionales) Durcheinander dieses Wort oft schafft. Was für Anfeindungen und Missverständnisse, Angst aus schlechten alten Erfahrungen heraus, Widerstand, Wut. Und auch Hoffnung, Sehnsucht.

Ja, ich will Spiritualität! Doch zunächst ist es einfach nur ein Wort.

So will ich es aus meinem Lebenskontext heraus beschreiben, aus dem heraus, wie ich als ganz konkreter Mensch großgeworden bin.
Vom äußerst sensiblen und verletzlichen Wesen als Kind und Junge, über den Jugendlichen in einer wohl für alle Menschen sehr schwierigen Übergangsphase,bis hin zumjungen Erwachsenen, hineinin Familie und Arbeit undschließlich – etwas weis(s)er an Haaren :-)- als Mensch, der mehr und mehr über sein Leben nachdenkt.

So wie unserem willkürlich nicht einfach änderbarem „Bauplan“ auf der körperlichen Ebene eingeschrieben steht

Herz, schlage
Lunge, atme
Magen, verdaue
Darm, nimm auf und scheide aus
usw.

steht uns auch auf der „nicht-körperlichen“ Ebene verschiedenes eingeschrieben:

Mensch, folge Deiner inneren Wahrheit
Mensch, lebe sozial, d.h. in Gemeinschaft
Mensch wachse und entwickle Dich
Mensch, suche Deine Heimat und komm nach Hause

So wie das Herz „von selbst“ schlägt, die Lunge „von selbst“ atmet und all die Organe ihre jeweils eingeschriebene Aufgabe „von selbst“ erfüllen, so übernimmt jeder Mensch auch die Suche nach seiner Heimat „von selbst“, ob er es nun wahrnimmt oder nicht.
Und abhängig davon, welcher Religion sein „Transportmittel nach Hause“ nun entstammt.

Für mich persönlich ist es meine starke Naturprägung schon als kleiner Junge, meine Natur-Religion, die mir mein „Transportmittel“ zur Verfügung stellt. So gefallen mir vor allem die erd- und naturverbundenen Rituale der Indianer sehr. Sie geben mir – als katholisch aufgewachsenem Christen – mehr Gefühl von Heimat, als all die christlichen Rituale und Feste, unter denen ich großgeworden bin.

Sie waren eben einfach nicht mein eingeschriebenes „Transportmittel“.

Doch wer hätte damals schon ein Kind ernst genommen, das (unbewusst ), völlig alleine bei „Mutter Erde“ mehr Spiritualität leben konnte, als in der Gemeinschaft vieler Menschen in Familie, Kirche und Religionsunterricht?
Ich verstand von alldem einfach nichts, und kein Mensch hat „es“ mir gesagt. Nur meine innere Stimme.

Allein still in der Natur sitzend, kann ich mich auch jetzt meist wieder „rückbesinnen“ (lateinisch: religio = Rückbesinnung), auf meinen eingeschriebenen Weg, auf meine Heimat. Auf mich selbst.

Da kann ich die nur sehr leise innere Stimme, die sich – einem Kind gleich – nicht selbst behaupten kann, gegen all diesen Lärm im Außen und auch nicht gegen diesen schrillen Angstschreie meiner Kindheit, schützen und so wieder heraushören.

So muss ich wohl mein „ich will Spiritualität“ umändern in:

Ich lebe Spiritualität! IMMER!

Ob ich das nun weiß oder nicht (schade, dass das dem Jungen von damals niemand wirklich erklärt hat).
Ob ich es nun will oder nicht.

Wie jeder Mensch.

Denn sie ist uns eingeschrieben.

Wie unser Herzschlag, ohne den unser körperliches Leben enden würde.

Also doch wieder:
Ich WILL Spiritualität, wie sie eben MIR eingeschrieben ist.
Die Rituale, Feste und Feiern dazu, die MICH berühren.

Und „meine“ Herzens – Gemeinschaft.

Herzensgemeinschaft

Diese hat mir nun das Leben geschenkt!

So spürte ich vorhin am nur vom Mond erhellten Waldrand sitzend,

Nacht

an diesem unglaublich stillen und warmen Morgen eins in mir:

Spiritualität

DANKBARKEIT und FREUDE für meine SPIRITUALITÄT und die GEMEINSCHAFT

Von |2009-11-02T01:26:56+02:0009.08.2009|Allgemein|5 Kommentare

Der eigene Weg

Wie oft frage ich mich:“Was istmein Weg?“ und meineeigentlich: „Wo will ich hin? Was ist mein Ziel?“

Ich zermartere mir den Kopf über mein Ziel, und es zeichnen sich trotzdemnur unklare Schemen in meinem Inneren ab.

Und dann meine ich pötzlich zu verstehen:

EinZiel bleibt meist in weiter Ferne. Dochmeine Intuition lässt michspüren, ob der Weg den ich gerade gehe, MEIN Weg ist.

Soist mein Ziel,meinen eigenen Wegzu finden.

Und ihm dann zu folgen, ohne zu wissen,

Der eigene Weg

wohin er führt…

Von |2009-07-09T19:13:30+02:0009.07.2009|Allgemein|8 Kommentare

Niemals aufgeben!

Ich muss etwas anders TUN, damit etwas anders WIRD!

Wie lange muss ich oft grübeln und wie groß muss der Druck in mir oft werden, bis ich den Sinn der obigen Binsenweisheit, die mir in einem lichten Augenblick in den Sinn stieg, wirklich in aller Tiefe und Konsequenz erfassen kann.

Und wie oft übersehe ich diese banale Tatsache in meinem Funktionieren für die alltäglichen Aufgaben. Wie leicht überlistet mich mein Gehirn und „meldet Ärger“, weil sich nichts verändert hat und da steif in mir behauptet: „Ich hab doch etwas anders gemacht!“
Doch bei genauerem kritischen Hinsehen – was Menschen von Außen meist besser können :-)- muss ich dann wieder feststellen, dass ich im Grunde doch wieder den alten Sch…. gemacht, mich in meinen alten Mustern verfangen habe.
Man braucht schon detektivische Fähigkeiten, um sich dabei selbst auf die Schliche zu kommen.
Und noch viel mehr: die innere Bereitschaft dazu.
Ersteres ist zu lernen. Das zweite vielleicht ein Geschenk.

Wie sehr fühle ich mich doch in meiner scheinbar sicheren und vertrauten, „alten Welt“ wohl und aufgehoben.
Wär´s ein Wunder, wenn man da ab und zu (manchmal auch öfter) das „Kleingedruckte“, die feineren Hinweise übersieht, selbst wenn mir die „alte Welt“ schon längst drei Nummern zu klein ist und mich an allen Ecken und Enden einengt und in meiner Bewegung behindert?

Nein, kein Wunder. Doch eine Realität mit Folgen. Nein, leider wieder ohne Folgen, ohne DIE Folgen!

Puh, was für ein zähes Ringen!

Manchmal hilft mir wirklich nur noch Hemingways „Geheimnis meines Erfolges“:

Nie entmutigt sein!

oder anders ausgedrückt

Niemals aufgeben!

Von |2019-09-15T16:00:11+02:0003.07.2009|Allgemein|0 Kommentare