Was würde passieren, würden von heute auf morgen – durch welche Kräfte auch immer bewirkt – sämtliche Maschinen, Autos, Computer, Technologien, Fremdenergieversorgungssysteme, Häuser, technischen Einrichtungen, medizinischen Einrichtungen…und alle Aufzeichnungen darüber, von der Erde einfach verschwunden sein, für immer und ewig? Wenn wir uns also von heute auf morgen in der Steinzeit wiederfinden würden?
Am meisten würde in den “hochentwickelten” Ländern passieren. Dort wäre es eine einzige Katastrophe. Zigmillionen Menschen würden sterben, ganze Landstriche könnten aufgrund des kalten Klimas und/oder ungenügender Nahrungsmöglichkeiten nicht mehr oder nur noch extrem dünn bewohnt werden.
In den “Entwicklungsländern” würde sich weniger ändern, leben doch dort viele Menschen noch immer relativ angepasst an einfachste und unabhängige Lebensbedingungen. An seltenen Orten würden vielleicht nur die fehlenden Kondensstreifen der Düsenflugzeuge am Himmel von der Katastrophe im “Rest der Welt” zeugen.
Es würden Jahre vergehen, langsam würden die Menschen, die die Katastrophe überstanden haben, sich an die neuen Lebensbedingungen gewohnt haben. Sie müssten mühsam all das einstmals auch verloren gegangene Wissen unserer Ururahnen durch Versuch und Irrtum wiedererlernen. Ist es doch nirgendwo gespeichert! Deren Kinder würden nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern und der Ältesten von dem Leben mit Technologie etwas mitkriegen. Und in den Köpfen deren Kinder wiederum wären wohl schon die letzten Reste an technischem, inzwischen – zum (Über-) Leben – völlig unbrauchbar gewordenem Know How verschwunden. Das alte, hochspezifizierte, technische Wissen wäre ein für alle mal verloren. Denn in den Genen steht es nicht geschrieben!
Doch eines wäre nicht verloren gegangen, das, was noch nie wirklich verloren gegangen ist, doch lange und oft fast völlig überdeckt war und ist: es sind unsere Gefühle für uns selbst…für das was es ursprünglich heißt, Mensch zu sein…für unsere essentiellen Bedürfnisse…für unser tatsächliches Miteinander…für unsere Kinder und das, was sie von Natur aus brauchen…für den sozialen, gemeinschaftlichen Aspekt unseres Lebens…für die eigentliche Natur des Menschen…für das Phänomen, das wir Liebe nennen…denn all das steht in den Genen geschrieben, seit je her…weil wir das sind…
So spüre ich immer wieder eine tiefe Sehnsucht nach solch einem Leben in mir, nach dem Leben, das in meinen Genen und meiner vielleicht göttlichen Natur, sicher nicht im “Handbuch der Technologie des 21. Jahrhunderts” eingeschrieben steht.
Mein Herz kann von heute auf morgen all diese “Errungenschaften der Zivilisation” loslassen, um sich in einer “urmenschlichen Lebensgemeinschaft” wiederzufinden.
Mein Kopf, meine “Persona”, das was ich meine, was “Ich” bin, würde wohl schwer zu kämpfen haben. Denn es würde nicht überleben. All das, was ich zu sein glaube, würde sterben. Und “Es” würde wohl dagegen ankämpfen.
Und doch würde und wird das Herz letztlich siegen.
So wie es spätestens und letztlich auch siegen wird, wenn ich eines Tages diesen Körper verlassen werde. Und somit auch dieses abstrakte “Ich”, die Vorstellung von “Mir”, das, was Menschen und später ich selbst mir eingeredet haben, zu sein.
Ich wünsche mir, noch auf dieser Erde vieles sterben lassen zu können, was mich vom “Sein” und von meinem natürlichen Wesen trennt.
Aus freiem Willen und Einsicht, aus Liebe zu mir selbst, zu meinen Kindern, zu den Menschen und zum Leben.
Ich wünsche mir Menschen, mit denen ich gemeinsam diese Reise machen kann. Ohne Katastrophen. Doch mit Hingabe daran, dass das Leben morgen nicht mehr das von heute sein wird. Mit den Annehmlichkeiten, die nicht dem Leben entgegenwirken. Und den sogenannten “Unannehmlichkeiten”, die mich letztlich mit dem Leben tiefer und tiefer verbinden.
Frei, ohne vorgefertigte Wege, als Teil von und in Verbundenheit mit Mutter Erde.

26. Januar 2007
Was tätest Du, wenn Du keinen Verstand mehr hättest?
Der Dein Verhalten ständig nach “gut” und “schlecht” abrastert!
Wenn Du Dich gedankenlos, ganz und gar nur dem Leben überließest?
Wie Du es als kleines Kind getan hast…als Du noch nicht reden und so auch nicht in Worten denken konntest
Wo Du noch keine Wertung kanntest, die kam erst über die Worte, Gedanken, den Verstand
Durch die Eltern, das “Aussen”…das “Innen” kennt keine Wertung
Du würdest bei Schmerz einfach weinen und schreien – ohne dies als schlecht zu bewerten
Du würdest bei Wut einfach nur brüllen und aggressiv sein – ohne dies als böse zu bewerten
Du würdest bei Traurigkeit einfach nur weinen – ohne Scham, ohne dies als peinlich oder unziemlich zu bewerten
Du würdest bei Angst und Not einfach nur nach Hilfe rufen – ohne dies als lästig oder abhängig zu bewerten
Du würdest einfach tun wonach Dir ist
Aussen SEIN wie Du Innen BIST
ohne über die Folgen nachzudenken
ohne Angst zu haben, die Tränen würden nie aufhören, der Schmerz nicht nachlassen, die Wut alles überrennen und vernichten…
ohne Angst zu haben, Deine Liebsten würden sich von Dir abwenden, Dich bestrafen, schlagen, demütigen, verlassen, ignorieren, zu Tode schweigen, Dir ihre Liebe entziehen…
Damals warst Du klein, hilflos, ausgeliefert…
Jetzt bist Du GROSS, stark, mächtig…
So kannst Du jetzt Deinem Inneren Kind ermöglichen, alles auszudrücken,
was es sich damals nicht mehr auszudrücken getraute, vor lauter Angst…
Denn DU bist ja jetzt da, ein erwachsener, reifer, liebender Erwachsener
der sein Inneres Kind nicht verlassen, bestrafen, demütigen, schlagen…wird
wenn es sich ausdrückt, weil es Kind, weil es einfach Mensch ist…
Selbst wenn sich aussen Menschen von Dir tatsächlich wieder abwenden, Dich versuchen zu bestrafen, zu demütigen…
DU, die/der GROSSE BIST DA
das ist das Einzige, was Dein Inneres Kind, das kleine braucht, um sich zeigen zu können…
und von Dir in der Arm genommen zu werden, in Liebe empfangen, worauf es noch immer wartet…
Denn das ist seine einzige Bestimmung!
Geliebt zu werden, um zu einem liebevollen, erwachsenen Menschen reifen zu können.
Und sein Ausdruck ist der Ausdruck des Lebens.

31. Dezember 2006
“…nicht alle können es so achtsam behandeln…” meinte kürzlich ein Mann bezüglich meiner Art, mich in meiner Webseite so offen zu zeigen, meinte, das wäre ein Grenzgang. Ja, das ist es vielleicht. Manche behandeln es vielleicht wirklich nicht achtsam. Oder können es einfach nicht verstehen. Ich dachte selbst darüber nach, stellte mir viele Fragen, u.a. “Ist das professionell, als Therapeut so viel und auch meine Schwächen zu zeigen?”. Was immer auch man unter “professionell” und “Schwächen” verstehen mag.
Und doch spüre ich, dass ich das bin. Mehr als alles andere. Ein Grenzgänger, schon als Kind. Passiert Veränderung nicht eben genau an diesen Grenzen?! Sollte ich mich wieder zurückhalten, nur weil es “gefährlich” werden könnte?! Es als Kind tatsächlich auch war!
Tatsächlich habe ich bisher keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Naja, eine Exfreundin hat auf meine ihr mitgeteilte Offenheit hin, wie ich unsere Begegnungen erlebe, zuerst zornig und dann mit völligem Rückzug reagiert.
Der Abstand zu einem langjährigen Freund wird auch mehr.
Jetzt zeige ich mich schon wieder so persönlich! Ja, und ich merke, es geht mir gut dabei. Ich bin ja auch in erster Linie eine Person, der Mensch Klaus, nicht mein Beruf, der Therapeut.
Und das Äußere – nämlich Distanz – zu meiner Exfreundin und dem Freund entspricht jetzt viel mehr der Wirklichkeit, wie ich sie im Inneren zwischen uns erlebe, als eine oberflächlich gelebte Nähe. Auch wenn mir Nähe lieber gewesen wäre.
Ja, es ist so eine Sache mit Nähe. Wie sehr habe ich mich als Kind danach gesehnt, nach Nähe zu meinen Eltern vor allem. Und ich glaube, sie sehnten sich genauso danach. Doch ich erlebte sie miteinander und im Kontakt mit anderen Menschen meist oberflächlich. Sie zeigten sich nicht wirklich, ständig hinter ihrer Maske verborgen. Ich litt sehr als Kind unter dieser “Falschheit”. Und wenn ich mich wirklich zeigte, wie ich als Kind nun einfach mal war, erntete ich Distanz oder Schelte.
Das hat mir die Reaktion meiner Exfreundin wieder mal deutlich gespiegelt. Doch genau daran lerne ich mehr und mehr. Eben an dieser Grenze. Manchmal eben auch schmerzvoll.
So muß ich immer wieder schmerzlich feststellen, dass manche Freundschaften eben nicht mehr weitergehen, wo ich – oder der andere – die Grenzen unserer Begegnung, unsere “Schutzmasken” nicht mehr akzeptieren will, mich nicht mehr mit der jetzt für mich zur Oberflächlichkeit gewordenen “Realität” zufrieden gebe, weil ich sie durch das Überschreiten einer eigenen Grenze losgelassen habe.
Alles ist relativ und verändert sich ständig. Und es ist ein schwieriges Unterfangen. Nirgendwo wird mir das so schmerzlich bewußt wie in Freundschaften und Kontakten zu Menschen. Doch wie heißt es so schön schrecklich blöd: “Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!”.
Auch das ist eine Realität, der man sich stellen muß, wenn man zum Grenzgänger wird: dass so manches sterben muß, “das Alte”, bevor das “Neue” geboren werden kann. Auch so manche Freundschaft, doch nicht zwingend. Das Thema Abschied und Loslassen passt ja auch gerade gut zum Jahreswechsel. “Der Junge ist tot, der Mann ist geboren”, heisst es in einem nicht gerade zimperlichem Initiationsritual südamerikanischer Einwohner für Jungen.
Doch ich hatte auch für mich sehr angenehme Rückmeldungen: “Ich tue mir viel leichter, von mir und meinen Empfindsamkeiten zu reden, weil ich sehe, wie Du Dich zeigst!”
Ich verstehe und respektiere, dass manche Menschen sich einfach nicht so zeigen wollen und können. Vielleicht auch mit “zu viel” Offenheit gar nicht umgehen können, es einfach oft nicht verstehen, was ich will. Doch mir ist es ein Bedürfnis, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die “wollen, können, probieren, lernen”…die “riskieren” wollen, sich zu zeigen, natürlich auch verletzlich, das ist immer dabei.
Meine Arbeit ist ein Angebot, eine Möglichkeit dafür, sich zu zeigen. An den Grenzen. In einem geschützten Rahmen. Kein Muss. Doch das wird sich von alleine regeln. Denn die, die das nicht wollen, werden es einfach nicht tun oder einfach fern bleiben. Und das ist okay und auch stimmig so für mich. So sorgt jeder auf seine Weise gut für sich. Das ist mir sehr wichtig! “Anschieben” macht nur Druck und keinen Sinn.
So freue ich mich für das neue Jahr auf Menschen, die das Risiko eingehen, sich zu zeigen, an den Grenzen, liebevoll, verärgert, wütend, voll Bewunderung oder Verachtung, vorsichtig oder draufgängerisch, offen oder zurückhaltend, bescheiden oder arrogant…mit all den Masken eben, die wir uns als Kinder zu unserem Schutz angeeignet haben, um in dieser seelischen Einöde im Außen (über-) leben zu können. Aber lebendig, offen und bereit…und verletzlich.
Um jetzt zu lernen, die Masken unter Achtung all ihrer geleisteten Dienste endlich ablegen zu dürfen, zu wachsen, zu reifen, zu begegnen. Uns und anderen.
Ich wünsche uns allen für das NEUE JAHR unsere natürliche Lebendigkeit, zu der auch unsere kindliche Neugier und Risikobereitschaft gehört, unsere Lust, Grenzen zu überschreiten…
…denn erst dahinter beginnt das bisher verborgene Leben, nach dem wir uns in manch tiefem Augenblick so sehr sehnen…

31. Dezember 2006
Wie nur kann ich Euch erreichen,
EUCH MÄNNER DA DRAUSSEN
Es fühlt sich an wie damals, als ich versuchte, Papa zu erreichen…mit Fleiß, mit Ordentlichkeit, mit Gewissenhaftigkeit, mit Wut und Trotz, mit Flehen und Bettnässen, mit Kampfesgeist oder Taktik…vergeblich. Immer wieder scheiterte ich an einer Wand, die undurchdringlich blieb…bis auf ein paar letzte Tage seines irdischen Lebens…für die ich sehr dankbar bin.
Wieder ist mein Kampfesgeist erwacht, Euch zu erreichen,
EUCH MÄNNER DA DRAUSSEN
die ihr Euch so beharrlich versteckt und weigert, zu SEIN, Männer…ich könnte Euch treten vor hilfloser Wut, wie damals als hilfloser Junge Papa gegenüber. Ich kann ihn wieder spüren. Ich schwanke wie damals, zwischen Bitten, Wut, Angriffslust, Verachtung und Arroganz, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Resignation, Rückzug…
..all diese Gefühle, die ich auch mit Papa schon hatte. Jede Tat aus diesen Gefühlen heraus blieb erfolglos, unbeantwortet…wofür sollten also solche Gefühle schon taugen?! Ich sperrte sie einfach weg, schwieg sie tot, wie ich totgeschwiegen wurde und unbeantwortet blieb, von Papa…
Und so erlebe ich wieder dieses Totgeschwiegen werden, dieses Unbeantwortet bleiben, wenn ich nach Euch rufe, nach
EUCH MÄNNERN DA DRAUSSEN
weil ich Euch was sagen will: wir werden gebraucht, von uns selbst, von unseren Inneren Jungen, von unseren leiblichen Kindern, von anderen Männern und ihren Verletzungen…mein Kleiner Junge schwankt zwischen Bitten und wütend Euch an empfindlichen Stellen zu reizen, um Euch zu erschüttern und damit Euere Versteinerung und Masken zu zerbröseln…als erwachsener Mann hoffe ich Euch zu erreichen
EUCH MÄNNER DA DRAUSSEN
Wie lange wollt ihr noch unbeantwortet die Rufe des Lebens verhallen lassen? Euere eigenen Rufe, die Rufe Euerer Inneren Jungen, und die Euerer leiblichen Kinder, meine Rufe, die Rufe meines Inneren Kindes, und die so vieler anderer Männer…?!
Ihr seid erwachsene Männer – und versteckt Euch noch immer hinter der Identifikation mit Eueren verletzten Inneren Jungs – doch ihr seid nicht Euere Inneren Jungen, ihr seid erwachsene Männer, die eine Aufgabe haben in diesem Leben – zuerst sich um Euere verlassenen Jungs zu kümmern…dazu brauchen wir uns, uns Männer, unsere männlichen Ahnen, die Anbindung an unsere männlichen Wurzeln…dann können wir auch unsere leiblichen Kinder endlich in Liebe annehmen…und zu unseren Frauen gehen, ohne uns in ihnen zu verlieren, denn wir gehören zu den Männern, für immer und ewig, seit wir als Jugendliche das Frauenlager zu verlassen hatten…doch wir weigern uns beständig…nur andere Männer können uns dabei helfen und uns den heiligen Schmerz der Trennung zufügen..das ist die Aufgabe der Väter und Urväter…und vielleicht zugleich die schlimmste Verletzung und größte Liebestat, die Männer zufügen und begehen können…
langsam gesellen sich statt Resignation und Wut vermehrt Loslassen und Akzeptanz in meiner Suche nach
EUCH MÄNNERN DA DRAUSSEN
dazu…ich weiß, dass ich es nicht fordern darf, es steht mir nicht zu…doch ich darf weiter dafür kämpfen, für mich und meinen Inneren Jungen…und es kommt doch die eine oder andere Antwort von
EUCH MÄNNERN DA DRAUSSEN
…ich freue mich und hoffe…auch dass MICH ein Mann erschüttert und erreicht, wo ich blind geworden bin, denn ich bin ja selbst einer von
EUCH MÄNNERN DA DRAUSSEN
04. Dezember 2006
Die Erlebnisse mit Männern die letzten Wochen haben sehr an mir gerüttelt. Und alte, längst vergessen geglaubte Gefühle von Verachtung heraufbefördert. Ich war erschrocken und entsetzt über mich selbst. Ich spürte, wie tief meine Verachtung Männern gegenüber ist. Hatte ich schon bei Frauen vor vielen Jahren tiefe Verachtung voller Schrecken in mir gespürt, dachte ich nun doch nicht, dass ich sie auch bei Männern hätte. Mit Hilfe eines Freundes wurde ich mir ein großes Stück klarer über Herkunft und Hintergrund dieser Männerverachtung.
Ich bin seit einiger Zeit intensiv auf der Suche nach Kontakt mit Männern. Ich meine jetzt nicht diesen Small Talk über Autos, Fußball, Politik…, sondern eine Begegnung zwischen Männern, die Gefühle zeigen, “auf dem Weg sind”, offen sind, es ernst meinen…Und ich erlebte aus meiner subjektiven Sicht die letzte Zeit fast nur Enttäuschungen: es ist kein Verlass auf “die Männer”, die wollen sich nicht entscheiden, die zeigen sich nicht, die lassen sich alle Eventualitäten offen und binden sich nicht, wollen sich nicht wirklich einlassen…
Die Erlebnisse reichten aus, um dieses Gefühl von Verachtung wieder “zum Leben zu erwecken”. “Männer sind Schlappschwänze, hängen an Mamas Rockzipfel, lassen einen ohne Skrupel sitzen, sind völlig unzuverlässig, sind emotionale Sparschweine…”! All diese Attribute, die ich schon mal über Männer gehört hatte, entwanden sich ganz plötzlich irgendwelcher versteckter Hirnwindungen in mir.
“Ja, und es stimmt, genauso ist es”, wollte ein Teil in mir Genugtuung für meine tiefen Enttäuschungen.
Auf einem Kongreß über die Liebe referierte ein bekannter Buchautor und Mann, der schon lange mit Männergruppen arbeitet, über das Thema “Wie Männer lieben”. Er erhielt “standing Ovations” – von den Frauen! Die Männer – auch ich irgendwann – sind im Laufe des Vortrages immer ruhiger geworden. Der Referent war wirklich köstlich in seinem Witz. Doch er machte sich auf Kosten der Männer bei den Frauen beliebt, indem er ihnen bzgl. ihrer frustrierenden Erfahrungen mit Männern “aus dem Herzen sprach” – mit allen Abwertungen, die manchen Frauen über Männern auf den Lippen liegen.Nach dem Vortrag standen um die Referentin, die über “Wie Frauen lieben” gesprochen hatte, eine Menge Frauen. Und um den Referenten – auch lauter Frauen! Ich musste mich sehr bemühen, zu ihm zu gelangen. Ein Therapeut sagte ihm, vielleicht könnte er mittels einer Aufstellung aufhören, an der Seite seiner Mutter gegen die Männer zu kämpfen.
Ich wollte es aus meinen kürzlichen Männererlebnissen heraus nicht wahrhaben, doch ich fand mich genau in diesem Verhalten wieder: ich begann aus der inneren Solidarisierung mit den Frauen gegen die Männer zu kämpfen, sie abzuwerten, so wie ich als Sohn an der Seite meiner Mutter gegen meinen Vater kämpfte und auch ihre Verachtung ihm gegenüber übernahm. Es war vielleicht die einzige Chance, emotionale Zuwendung von ihr zu erhalten. Mein Vater war sowieso unerreichbar für mich.
Und es gab/gibt da aber auch einen Teil in mir, der unabhängig von meiner Mutter Verachtung meinem Vater gegenüber entwickelt hatte: weil er mich alleine gelassen hat, weil er der Frau das “emotionale Schlachtfeld” kampflos überlassen hatte, ich mich auf ihn nicht verlassen konnte, er mich nicht wirklich mitnahm…wohin auch immer.
Ich habe schon seit längerer Zeit Frieden mit meinen Eltern gefunden. Und doch tauchen in entsprechenden Situationen immer wieder alte Gefühle in mir auf, die nur zu meinen Eltern gehören. Als Kind und Junge konnte ich naturlich nicht “akzeptieren”, dass meine Eltern mir nicht gaben, was ich “von Natur aus” brauchte und erwartete. War ich doch völlig abhängig von ihnen.
Doch jetzt als erwachsener Mann bin ich äußerlich unabhängig und kann es: akzeptieren, dass mir der eine oder andere Mann einfach das nicht geben kann und auch nicht muss, was ich mir so sehr von meinem Vater wünschte: Nähe, Annahme, (Be-)Achtung, Offenheit, Ehrlichkeit, Liebe…
Und es ist ein Geschenk, wenn ich es ab und an doch erhalte. Meist, wenn ich es geschafft habe, mir es selbst zu geben.
Den Männern, denen ich in meiner inneren Not etwas abverlangen wollte und sie innerlich abwertete, sage ich: “Es tut mir leid.” Denen, die mir das Geschenk von wirklicher Nähe gaben: “Danke”
Ich habe ein Stück gelernt, zu akzeptieren. Und die Männer wieder mehr zu achten. Weiß ich doch aus eigener Erfahrung sehr gut, dass jeder Mann seinen eigenen Weg und seine eigene Geschwindigkeit hat. Und wie verdammt schwer es ist, sich darin selbst auszuhalten. Und wie oft hab ich mich nach einem wohlwollenden, “alten weisen Mann”, diesem Archetypen des Großväterlichen,gesehnt, der mich – im Grund meinen kleinen Jungen – trotz aller “Mängel” so akzeptiert und annimmt, wie ich bin.
Mich dort abholt, wo ich gerade bin! Und mich führt.
Wenn ICH soweit bin.
27. November 2006
Wie nur sind wir Männer wirklich zu erreichen?
Welche Verletzung läßt uns nur so in uns selbst zurückziehen, weg vom Leben, weg von den Menschen, weg von den Männern, weg von uns selbst?
Wieso stärken und bestätigen wir Männer uns nicht gegenseitig in unserer Männlichkeit, um sie endlich nicht mehr bei Frauen – vergeblich – suchen zu müssen?
Tief im Inneren wünsche ich mich in eine Gemeinschaft von Männern, die trägt, die stützt, die ein gemeinsames Ziel hat, die wesentlich ist!
Was ist los mit uns Männern?
Wir haben UNS vergessen…unsere Wurzeln,
und uns verloren…und noch viel mehr.
Ich möchte mich gerne wiederfinden…bei Euch, Männer! 
21. November 2006
Gestern startete die Gruppe „Im Kraftfeld des Kreises“ – mit 2 Frauen und mir.
Ich war zuvor in starker innerer Bedrängnis: „Ich kann doch mit nur 2 Teilnehmern keine Gruppe „halten“!“ Mein „Kopf“, mein geringer Selbstwert, meine Eitelkeit, was auch immer, forderten eine „schöne große“ Gruppe. Meine Angst redete mir gut zu, das Ganze doch abzublasen. Und eine etwas leise Stimme in mir sagte einfach nur: „Mach´s trotzdem!“
Ich beendete meine innere Zerrissenheit indem ich eine Ent-Scheidung traf: für die leise Stimme. Wieder einmal zeigte sich, das die Intuition wirklich ein leises Stimmchen hat. Marktschreierische Ambitionen sind ihr fremd. Doch so leise die Stimme, so groß ihre Verlässlichkeit. Bei den Vorbereitungen für den Kreis merkte ich, wie langsam alle Bedenken und Zweifel über meine Entscheidung schwanden. In mir war etwas gereift, das mir sagte: „Bring das Ganze in den Kreis ein!“ Der letzte Zweifel war danach wie weggeblasen. Und plötzlich spürte ich eine unglaublich große Freude in mir, auf den Abend, auf die 2 Frauen, auf den Kreis. Mir wurde bewusst, dass die Erkenntnis, das Erkennen erst mit der Entscheidung und die Freude, das Gefühl erst mit dem Tun kommt.
Und noch was sehr wichtiges wurde mir heute bewusst: ich hatte den Kreis bereits am Vormittag begonnen, mit sozusagen nur einem Teilnehmer: mit mir! Und meinen Anteilen, dem Verstand, dem Selbstwert, der Eitelkeit, der Angst, der Intuition! Und sicher noch anderen. Mit denen allen ich mich „in den Kreis setzte“. Das, was ich auch für den Kreis als Möglichkeit ausgeschrieben habe – die „Arbeit mit den Inneren Anteilen“ – hatte ich unbewusst bereits bei mir begonnen.
Und dann erzählte ich all das dem Kreis, brachte mich ein. Und es wurde wirklich ein durch und durch intensiver Abend, offen und lebendig. Wir erzählten im „Redestabmodus“ sehr offen und intensiv von uns. So verging die Zeit so rasch, dass ich meine vorbereitete Phantasiereise zum Inneren Kind nicht mehr durchführte. Es war genug an Tiefe gewesen. Nach einer entspannenden Trommelsession beendeten wir den Abend mit einer Abschluss- und Feedbackrunde Ich war rundum glücklich über diesen Abend mit „nur“ 3 Teilnehmern! Und ich war glücklich über meine Entscheidung, meiner „leisen Stimme“ vertraut zu haben! Ich danke Euch zwei Frauen für Euere Bereitschaft und Eueren Mut, Euch einzulassen!
Mir fällt es wie Schuppen von den Augen, dass tatsächlich nicht primär die Anzahl von Mitgliedern in einem Kreis, sondern ihre Bereitschaft sich zu zeigen und einzubringen über seine Lebendigkeit und seinen „Energielevel“ entscheidet! Jeder Teilnehmer hat viele „innere Teilnehmer“ mit dabei. Deshalb die alte Erfahrung, dass das Potenzial eines Kreises größer ist, als die Summe der Potenziale der (sichtbaren) Teilnehmer?! Kann man auch deshalb “über sich hinauswachsen”?? Man hat ja viel mehr “Teilnehmer” in sich, als nur sich! Dabei kommt es natürlich darauf an, wie man jeden diese „inneren Teilnehmer“ am Kreis teilhaben lässt, wie man sich also (vor sich selbst oder einem äußeren Kreis) zeigt. Das ist natürlich immer die Entscheidung des Einzelnen und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Am stärksten wohl von schlechten Erfahrungen aus der Kindheit und einem daraus entwickelten, starken Schutzbedürfnis. Damit auch von dem Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit im Kreis.
Das ist, was ich mir für diesen Kreis und überhaupt wünsche : Menschen in (inneren u./o. äußeren) Kreisen, die eine Atmosphäre von Geborgenheit und Vertrautheit “er-leben“, sie also durch ihr Tun erschaffen. Diese „Atmosphäre“ ist für mich das, was ich – als Ökologe- bei Tieren als ihren natürlichen Lebensraum bezeichnen würde. Den Lebensraum, in dem eine bestimmte Tierart „wohl gedeihen“ kann. So wie es für sie von Natur aus vorgesehen ist.
Und so sehe ich auch uns Menschen als Wesen, die nur unter natürlichen Bedingungen wohl gedeihen –und nach Verletzungen auch gesunden – können. Eine und vielleicht die wichtigste dieser natürlichen Bedingungen ist der „gesunde soziale Lebensraum“. Mit 2 wichtigen Elementen:
Der Vertrautheit und der Geborgenheit. 
10. November 2006
Kürzlich kam ich über die Arbeit mit einem Klienten an die Themen Würde und Selbstachtung. Da war die neue Info über die Sozialhilfe der Mutter. Zusammen mit den bisherigen Begegnungen mit dem Klienten kamen plötzlich etliche Gedanken und Gefühle in mir in Bewegung, vor allem bzgl. der Themen Würde und Selbstachtung.
Mir fiel der Artikel 1 des Grundgesetzes ein: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Dabei überkam mich ein Gefühl von Ärger und Übelkeit. Es war, als hätte ich etwas Ekelhaftes entdeckt. Und so empfinde ich es auch – nach all dem selbst Erlebten, Gelesenen und dem, was ich bei KlientInnen mitfühlen kann. Der Artikel suggeriert als „Realität“, was im Außen eben NICHT wirklich ist: die Würde des Menschen ist eben NICHT unantastbar!! Ich empfinde das grotesk und als völlige Missachtung all der Menschen, deren Würde sehr wohl ”angetastet” wurde!
„Angetastet“, klingt beinahe zärtlich, zumindest vorsichtig. Ich würde es eher „die Würde mit Füssen getreten“ bezeichnen: von Diktatoren, Politikern, Institutionen, Beamten, vom „lieben Nachbarn“, vom Partner, von den Eltern, irgendwann von den Kindern untereinander…und schließlich wir bei uns selbst.
Dieser – treffender weise erste – Satz im Grundgesetz ist für mich kollektive Verdrängung pur. Wie soll bei so viel „nicht sehen wollen/können/dürfen“ eine Veränderung oder gar Heilung passieren?
Mir fallen einige Situationen ein, in denen ich mich als Kind so furchtbar gedemütigt, bloßgestellt, lächerlich gemacht gefühlt habe.
So sah ich vor meinem inneren Auge den Klienten als kleinen Jungen mit seiner Mutter, die sich abmühte, unter der ganzen Verachtung, Abwertung und Demütigung durch die „Umwelt“ ihr letztes bisschen Selbstachtung und Würde nicht zu verlieren. Um zu überleben, versuchte sie etwas vorzuspielen: um mehr (notwendiges) Geld zu erhalten, um als „Wer“ und nicht als „Nichts“ dazustehen…um zumindest die Illusion einer gesellschaftlichen Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten. Ich würde mich als Kind schrecklich und völlig hilflos fühlen, die Würde meiner Eltern „im Dreck“ zu erleben, sozial geächtet zu sein. Kinder spüren intuitiv diesen gesellschaftlichen Ausschluss. Sie reagieren mit heftigen Ängsten und Stress. Bedeutete der Ausschluss aus der Gesellschaft doch früher (als wir noch in Stämmen lebten) den sicheren Tod. Die Gehirnforschung weist diese urtiefe Angstreaktion bei sozialem Ausschluss eindeutig nach. Um diesen auf Dauer unerträglichen Gefühlen, mit welchen dieser kleine Junge bei niemandem Hilfe findet, zu entkommen macht er das, was ihn überleben lässt: er macht sich größer, weil er von außen klein gemacht wird…so hat er zumindest die Phantasie, dazuzugehören, zu einer Gesellschaft zu der man nur dazu gehört, wenn man „Wer“ ist. Für (Tauge-)”Nichtse” ist da kein Platz.
Wie viel erlittene Verletzung, Schmach, Erniedrigung, Ent-Würdigung…wartet da wohl noch unbeachtet in irgendeiner verstaubten Ecke unserer Kinderseele darauf, endlich gesehen, gefühlt und ausgedrückt zu werden? Als Kinder waren wir diesen Umständen hilflos ausgeliefert. Jetzt als Erwachsene haben wir die Möglichkeit, unsere Würde und Selbstachtung wieder zu gewinnen, wo sie uns als Kind genommen wurde.
Unser „Inneres Kind“ zeigt uns den Weg.
Ich wünsche jedem viel Glück dabei!
08. November 2006
Vortrag am 26.09.2006 über das „Innere Kind“. Veranstalter: KEB Freyung
33 Frauen und 2 Männer waren zu meinem Vortrag über das Innere Kind in die “Brücke” in Freyung gekommen. Ich freute mich riesig über die große Gruppe. Nachdem sich über 10 Leute nicht angemeldet hatten, gingen trotz „Reservematerials“ 5 Leute „leer“ aus. Bis auf diese 5 erhielt jeder Teilnehmer ein Skript und ein Überraschungsei für sein IK. Wie das bei Kindern so ist, war von den Überraschungseier bald nix mehr zu sehen!
Die häufigst genannten Gefühle bei der kurzen Anfangsrunde waren Neugier und Spannung. Beste Voraussetzungen für diesen Vortrag : Neugier ist DIE Antriebskraft bei Kindern.
Bei der Trancereise zum Inneren Kind konnte jeder erste Bekanntschaft mit seinem IK machen. Vereinzelt wurden durch die Reise auch Gefühle ausgelöst. Dies ist eine wichtige Funktion bei der Arbeit mit dem IK: verdrängte Gefühle wieder ins Fließen zu bringen.
Im theoretischen Teil ging es um Grundlagen zum IK (siehe auch Artikel unten). Zur Veranschaulichung benutzte ich Beispiele und meine Figuren aus der familientherapeutischen Arbeit.
Anhand eines klassischen Typs einer Mann-Frau-Beziehung erläuterte ich die Bedeutung des IK im Alltag. Besonders in Partnerschaften zeigt sich, wie fatal sich die Vernachlässigung der eigenen IK auf die Beziehung auswirken kann. Meine Ausführungen darüber waren für einige Teilnehmer bereits eine bekannte Realität geworden. Einige waren wohl etwas schockiert über diese Dynamiken.
Anschließend erläuterte ich den schwierigsten Teil bei der Arbeit mit dem IK: die konkrete Umsetzung in den Alltag. Da heißt es vor allem Zeit, Geduld und sehr viel Liebe aufbringen! Wie bei Kindern aus Fleisch und Blut. Sich selbst Vater und Mutter werden ist überhaupt der Kernpunkt in der Arbeit mit dem IK. Wer eigene Kinder hat, weiß was es bedeutet, Kinder beim Großwerden zu begleiten. Doch soviel Arbeit Kinder einem auch oft bereiten: sie sind ein großes Glück.
Nach einer zwischenzeitlich entstandenen Diskussion beendete ich den Abend mit einer Abschlußtrance, damit das Ganze auch einen “guten Platz” finden konnte.
Ich hatte wirklich sehr viel Freude an diesem Abend mit dieser wirklich sehr interessierten Gruppe.
Sich für sein Inneres Kind zu entscheiden, hat weitreichende Folgen für sein Leben, das wurde wohl einigen klar. Das ist der Grund, warum manche doch lieber das Alte, Vertraute wählen. Ich kann´s versteh´n.
Doch es lohnt sich allemal, sich trotzdem auf den Weg zu seinem Inneren Kind zu machen: der Lohn dafür ist innere Freiheit!
04. Oktober 2006
Wieder zurück vom Seminar. Hatte mich sehr darauf gefreut. Schließlich war ich schon lange auf keinem mehr gewesen. Ich freute mich auf Kontakt, Begegnungen, neue Menschen.
Da waren sie nun, die „neuen Menschen“. Und irgendwie bekam ich – bis auf wenige und kurze Ausnahmen – keinen richtigen und herzlichen Kontakt. Ich bemühte mich, war neugierig. Doch irgendwie ging es mir wie als Kind: je mehr ich versuchte und je mehr ich nachfragte, umso allgemeiner wurden die Antworten. Ich spürte, dass manchen Leuten die Fragen unangenehm waren, sie scheinbar überforderten und sie auf Distanz zu mir gehen ließen. Ich kam einfach nicht durch. Ja, wo „durch“ eigentlich?
Da war es wieder, das alte Maskenspiel, dass ich als Kind so zu hassen gelernt hatte. Hatte es mich doch in meinen kindlichen Gefühlen und Wahrnehmungen ständig in Verwirrung gebracht. Was stimmte denn nun: das was ich in mir fühlte oder das was meine Eltern – oder die Leute am Tisch – darüber sagten?!
Ich entschloß mich offensichtlich, meinen Gefühlen nicht mehr zu trauen. Dadurch wurde es irgendwie erträglicher. Auf diese Weise übernahm ich genau die Masken, die mir das Leben so schwer machten. Und ich erliege ihnen immer und immer wieder. Es ist wirklich zum Haare ausreissen.
Also bemühte ich mich im Laufe des Seminars, meine Masken zu erkennen. Und die der anderen. Hinterfragte mich und die anderen. Suchte nach einem Weg hinter die Masken. Meine Reaktionen wechselten zwischen offen fragen, Neugier, mich schützen in der Überheblichkeit, Ungeduld, Unmut, Resignation und einfach weiter da bleiben und aushalten. Mich, die anderen, die Situation. Ich bin froh, dass Letzteres überwog. Die Reaktionen der anderen gingen von Oberflächlichkeit, Abstand, Schweigen, Vorsicht, verhaltene bis offene Neugier. Vereinzelt auch kurze „wirkliche“ Begegnung. Diese freuten mich besonders und geben mir noch jetzt ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Was ist für mich eine “wirkliche” Begegnung?
Ich nenne und empfinde eine Begegnung “wirklich”, wenn ich berührt habe und/oder berührt wurde. Hinter den Masken. Und sich dadurch etwas in mir und/oder dem anderen zu bewegen und verwandeln beginnt. Ich denke, dass es mit Heilung im weitesten Sinne zu tun hat. Und ich glaube, dass daraus auch etwas “Neues, Übergeordnetes geboren” wird. Eine Idee, ein Kontakt, ein Projekt.
Am Beispiel der Begegnung von Mann und Frau sehe ich das so: ihre Begegnung beeinflußt und verändert beide nachhaltig. Dies verkörpert den individuellen Aspekt einer Begegnung. Wurde dabei ein Kind gezeugt, steht dieses für den gemeinschaftlichen Aspekt einer Begegnung. Neben diesen beiden, irdischen Aspekten sehe ich auch noch einen spirituellen Aspekt, der für mich durch das eigene Wesen, das ein Kind “mitbringt”, verkörpert ist.
Trotz meines Bemühens konnte ich auf dem Seminar weiterhin nicht “wirklich” begegnen. Das meiste blieb an der Oberfläche, hinter den Masken. Und das bei einem alten, heiligen Ritual, der Schwitzhütte. Wo es doch genau um die Verbundenheit und Begegnung mit allem geht.
So fuhr ich angestrengt und frustiert wieder nach Hause und begann, „mir von der Seele zu schreiben“.
Mir war vor dem Seminar gar nicht bewußt geworden, wie sehr ich mich nach neuen Begegnungen gesehnt hatte. Das wurde mir erst bewußt, als ich meine Enttäuschung spürte, so wenig begegnet zu sein.
Plötzlich erinnerte ich mich an meine Vorfreude, wenn ich – nach ewiger Zeit – wieder einmal nach Hause zu meinen Eltern (und Geschwistern) fuhr. Nichts in mir erinnerte sich daran, wie es das letzte mal gewesen war, und vor dem letzten mal, und davor…enttäuscht und frustriert fuhr ich jedesmal wieder zurück, nicht bekommen zu haben, was ich mir jedesmal – völlig unbewußt – so sehr gewünscht hatte: das es EINMAL anders sein würde, als es immer schon war und ich endlich meinen Eltern wirklich „begegnen“ würde. Ich „vergaß“ jedesmal erneut, wie es das letzte mal gewesen war. Es hätte mich sonst jeder Hoffnung beraubt, an die ich mich noch so sehr klammerte.
Doch es wurde nie anders.
Ich hatte mich als Kind immer bemühen müssen, unmögliche Sachen angestellt und meinen Eltern „viel Sorgen bereitet“ ,nur um ihnen überhaupt irgendwie zu „begegnen“. Ich wußte lange nicht, dass man auch ganz mühelos begegnen kann. Das hatte ich als Kind einfach nie erfahren.
Langsam glaube ich zu verstehen: mein Inneres Kind hatte sich einfach nach „zuhause“ gesehnt, warum und wie auch immer. Ich hatte es nicht wahrgenommen und konnte ihm so nicht selbst „Mama und Papa“ sein, ihm kein Zuhause geben. Also suchte ich/mein inneres Kind die Begegnung mit einer „Wahlfamilie“. Da waren sie alle auf dem Seminar: „Mama“, „Papa“, „Geschwister“. Ich konnte sie mir nach Belieben aussuchen. Und so bemühte ich mich wie gewohnt um „Begegnungen“! Und machte fast die gleiche Erfahrung, wie schon immer zuhause.
Ich weiß durch dieses Seminar jetzt ein Stück mehr, dass es sehr wahrscheinlich mein von mir nicht gut versorgtes, bedürftiges inneres Kind ist, wenn ich wieder mal meine, mich um eine Begegnung bemühen zu müssen!
Ich glaube, dass Begegnung im Grunde leicht ist. Das merke ich besonders bei den Begegnungen, die einfach sofort und von alleine geschehen. Andere wiederum brauchen einfach Zeit. Und manche geschehen nie. Müssen sie auch nicht.
Ich tu´ mich immer wieder schwer, meine Bedürfnisse als erwachsener Mann von den Bedürftigkeiten meines inneren Kindes zu unterscheiden und entsprechend dafür Sorge zu tragen. Doch mit wachsender Erfahrung steigt auch meine Unterscheidungsfähigkeit.
Letztlich hatte die Mühe bezüglich meines Wunsches, auf diesem Seminar „zu begegnen“, für mich Sinn gemacht:
Ich bin mir, meinem Inneren Kind begegnet. Und mir wurde wieder ein Stück klarer: ohne vorher mir selbst begegnet zu sein, kann ich auch keinem anderen wirklich begegnen.
Ich glaube, dass dies die „unbewußte Absicht“ vieler unserer „Lebensinszenierungen“ ist. Nämlich uns selbst darin „wirklich“ zu begegnen und so selbst für uns sorgen zu lernen. Dies entspricht letztlich dem natürlichen Prozess der Ablösung von den Eltern und ermöglicht den „Ausstieg“ aus den inneren Abhängigkeiten zu Menschen.
Da, wo ich meiner Kindheit er-wachsen bin, kann ich wirklich wählen. So erlebe ich es jedenfalls, Schritt für Schritt.
Ich empfinde jeden dieser Schritte des Er-wachsens und Mir-selbst-begegnens als grosses Glück.
Selbst wenn die Vorarbeit für diese Schritte oft sehr mühevoll ist und manchmal pure Verzweiflung auslöst.

Für mich ist sie der Weg in die innere Freiheit.
24. September 2006
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