Das Leid der Kinder ist unser Leid

Erst mal vorneweg:
Ich schreibe diesen Artikel nicht aus einer inneren Haltung von Anklage, Angriff („Krieg der Geschlechter“,  siehe unten),  Schulddenken, Verzweiflung oder Moral heraus.

Sondern angeregt durch ein Gedicht, das mich sehr tief berührt und bewegt hat. Von einem Mann, den ich kürzlich auf einer Männerinitiation kennen gelernt habe, Frieder Gutscher.

Ich schreibe diesen Artikel aus einer inneren Haltung von Selbstbetroffenheit, Mitgefühl, Bewusstmachung, Hoffnung und Entschiedenheit… aus einem Gefühl von „Es ist an der Zeit“  heraus.
Meine subjektiven Lebenserfahrungen als Basis.

Mit „Männer“ und „Frauen“ meine ich unten die überwiegend übernommenen  Rollen und Verhaltensweisen (hier speziell die „unerlösten“, also zerstörerischen) der Geschlechter, also Schwerpunkte und Tendenzen von „Mann“ und „Frau“.
In dem Bewusstsein, dass Männer sich auch „weiblich“, und Frauen sich auch „männlich“ verhalten (im konstruktiven UND zerstörerischen Sinn!).
Primär geht es mir um den Unterschied zwischen „ERWACHSENEN“ und KINDERN.
Die Geschlechterrollen ändern nur die Art und Weise unseres destruktiven Verhaltens als scheinbar „er-wachsene“ Menschen, die wir eben NICHT MEHR KINDER sind!

Hier das Gedicht.
Es bringt das Dilemma, das Leid unserer Kinder, der aus Fleisch und Blut und auch der Inneren Kinder, so fühlbar ans Licht, wie kein anderes, das ich kenne:

ZER – RISSEN – HEIT

Was Du auch tust
es ist falsch
Wie Du dich auch entscheidest
es ist falsch entschieden
Welchen Platz Du auch einnimmst
es ist der falsche Platz
denn Du bist falsch
Du bist nicht in Ordnung
Du bist fehl am Platz
Du bist zuviel
So vernahm es das kleine Kind
und wusste keine Ausweg
außer dem stillen Rückzug
in sich selbst hinein

Lieber Nichtstun als etwas tun
denn etwas tun bedeutet
das Falsche tun
aber Nichtstun ist auch falsch
Nichts ist richtig
Als Nichts bist Du richtig
Solange Du etwas bist
bist Du verkehrt
bist Du nicht in Ordnung
bist Du fehl am Platz
bist Du zuviel
So vernahm es das kleine Kind
und baute sich seine eigene Welt auf
wo es einen Platz hat
um der Wirklichkeit zu entfliehn
dem Dilemma
Da zu sein

Frieder Gutscher

~

Die Erhalter und Beschützer dieser Welt, die Männer, zerstören das ihnen Anvertraute:
Menschen, Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen, Länder, die Erde, die materielle Schöpfung.
Das geschieht sehr offensichtlich.

Die Träger der Kinder und der Gefühle, die Frauen, zerstören das von Natur aus stark in ihrer Obhut liegende: die Liebe, das Vertrauen, die seelisch – emotionale Schöpfung.
Dies geschieht sehr subtil und dem Bewusstsein der  meisten Menschen völlig verborgen.

Männer missbrauchen ihre körperliche Macht, Frauen ihre seelisch – emotionale.

Wir „Erwachsenen“, Männer wie Frauen, zerstören das Geschenk der Kinder an uns:

Frieden und Liebe

Die Geschenke der Kinder aus Fleisch und Blut und die der Inneren Kinder.

So zerstören wir selbst unsere größte Chance auf Wachstum und Heilung.

Es sind nicht wir „Erwachsenen“ die Leid – tragenden, denn wir tragen unser Leid nicht wirklich!

Es sind die Kinder, denen wir UNSER Leid über – tragen und SIE es für uns tragen lassen.

Sie haben nicht die Macht, das zu verändern, sind ohne Macht, ohnmächtig.
Das macht Frieders Gedicht so sehr spürbar.

Wir „Erwachsene“ aber sind mächtig. Sehr mächtig. Mächtig zu zerstören. Das Geschehen in der Welt zeigt es.
Und mächtig, zu heilen. Jeder erlebt es – meist noch sehr im Kleinen – immer wieder mal.

Unsere Kinder kommen völlig friedlich und liebend in unsere Welt. Uns Frieden und Liebe zu schenken. Wir zerstören beides aus unserem Leid heraus. Und sehnen uns doch so sehr danach. Wie einst, als wir diese Kinder selbst waren und auch jetzt noch, wo wir sie als „Innere Kinder“ noch immer in uns tragen.

So leben wir wie unbedarfte Kinder, obwohl wir längst reif an Jahren sind.

Einst waren wir Kinder, und dachten wie Kinder. Jetzt sind wir „erwachsen“… und leben in weiten Bereichen doch noch als Kinder. Sind also unserem Kindsein nicht wirklich er – wachsen.

Das kann nicht hilfreich sein.

Wir können nicht wirklich er – wachsen, wenn wir unser Leid nicht selbst zu tragen beginnen. Und die Verantwortung der ERWACHSENEN.

Wenn wir den Platz der ERWACHSENEN nicht einnehmen.

Jeder auf seine ganz subjektive, männliche und weibliche Art und Weise.


Denn die Kinder von heute, denen wir unser Leid übertragen, sind die nicht wirklich Erwachsenen von morgen, die ihr Leid wiederum an ihre Kinder weitergeben….

Das Leid unserer Kinder ist UNSER Leid. Und nur wir als mächtige ERWACHSENE sind in der Lage, das zu ändern.

Indem wir unser Leid wieder ganz und gar zu uns nehmen. Hindurch gehen und daraus – heiler – wieder hervorgehen. Er – wachsen.

Und frei werden.

Und uns dabei von dem natürlichen Frieden und der Liebe der Kinder berühren und helfen lassen.

Das ist mein Wunsch und mein Ziel.

bisher 1 Kommentar 07. Juni 2011

Im Feuer des Schmerzes

Schon immer waren Kopfschmerzen bis hin zu Migräne etwas, womit ich meist keinen rechten Umgang fand, obwohl ich wusste, dass sie v.a. psychosomatischer Natur waren. Ich litt (und leide auch heute noch manchmal) sehr darunter. Tabletten wollte ich meist nicht. Ich wollte verstehen, „was der Schmerz von mir wollte“.

So hatte ich auch heute wieder mal – ausgelöst wohl durch Nackenverspannungen – starke Migräne und wusste nicht, wohin mit mir und den heftigen Schmerzen.
Ich entschied zu tun, was ich zzt. oft tue: ich ging in „mein Cafe“ und schrieb. Der Nacken verkrampfte grausam, die Augen tränten, der Kopf pochte, sogar das Ohr tat weh.
Manchmal hatte ich regelrechte Hitzeschübe, als hätte ich Fieber und würde verbrennen.
Der Schmerz packte mich mit eiserner Faust im Nacken, er war „unerträglich“. Doch ich ertrug ihn wie immer.

Ich versuchte immer zu verstehen, was ich denn durch diesen Schmerz verstehen sollte, die „Botschaft dahinter“, so auch diesmal. Und ich machte mir all die Ängste bewusst, die mir grad durch diese Schmerzen hochkamen. Es waren Mengen.
Sie hatten mich schon fast „aufgefressen“. Damit verbunden fühlte ich nur noch Negatives in mir.
Ich mobilisierte meine ganze Entschiedenheit, machte mir meine momentane Lebenssituation klar und versuchte, einen Zusammenhang herzustellen.

Und ich bat um Hilfe.

Ich schrieb lange weiter, setzte mich damit auseinander.

Dann verstand ich, es machte regelrecht „klick“:
es war das Wort „unerträglich“, das mich plötzlich verstehen liess, dass das Leben mich so unter Schmerz setzt, mich so „gaga“ macht, mich regelrecht im Schmerz verbrennt, dass ich eben nicht mehr ertragen KANN und loslassen MUSS. Nicht indem ich Schmerztabletten nehme, sondern indem ich den Schmerz ausdrücke, ihm nachgebe und herausfinde, wozu mich dieser Schmerz drängt.
Bereits nach dieser Erkenntnis lies der Schmerz nach. Ich war echt verblüfft und dankbar, so unmittelbar hatte ich es noch nie erlebt. Ich war wieder „in mir zuhause“ und die meisten Ängste waren wie „nie vorher wirklich da gewesen“, einfach weg! Krass!

Ich fragte mich, was für Vorgänge denn da in meinem Innersten ablaufen, dass so schnelle Wechsel möglich waren. Doch wichtiger als das intellektuelle Verstehen war mir die Tatsache des nachlassenden Schmerzes.

Und mir wurde plötzlich kristallklar, so als hätte jemand die „Tür zur Inneren Einsicht“ geöffnet, dass der Schmerz nicht mein Feind ist, den ich (mit Medikamenten) bekämpfen und besiegen muss, sondern mein unbestechlicher, in seiner Konsequenz manchmal grausam wirkender „Innerer Entwicklungshelfer“.

Und dass diese Entwicklung passiert, indem ich dem Schmerz FOLGE!!!

Dass ich ohne ihn keine wirkliche Entwicklung in den Bereichen, in denen innere Verletzungen und daraus entstandene Wachstumswiderstände mich zurückhalten , machen könnte.
Er lässt mich einfach nicht los, nicht alleine.
Er hat eine Funktion zu erfüllen. Wie ein Organ, ohne dessen Funktion Leben oder seine Entwicklung nicht möglich wäre.

Ist seine Funktion erfüllt, bin ich ihm also dahin gefolgt, wohin er mich bringen sollte, kann der Schmerz sich wieder zurückziehen. Genau das konnte ich heute so deutlich erleben.
Er führte mich so deutlich „nach Hause“, zu mir selbst, dass mein Blickwinkel auf ihn sich noch einmal stark verändert hat.

Ja, der Schmerz ist wahrlich ein strenger Lehrer, seine Feuer brennen heiß.

Je heftiger die Verletzungen in uns, umso stärker die Widerstände gegen Entwicklung und umso heftiger irgendwann die seelischen und/oder körperlichen „Feuer des Schmerzes“, die uns im Grunde aber nur den Weg weisen wollen.

Und ich konnte es spüren: 
so hart diese Schmerzen sein und für wie unmenschlich wir sie auch erklären mögen, letztlich entspringen sie doch dem Lebensprinzip des Lebens: der LIEBE!
Denn sie will reife und glückliche Menschen.

Wir sind soweit von für Menschen natürlichen Lebensbedingungen abgekommen, dass diese LEBENSLIEBE oft groteske und entsprechend heftige Formen annehmen muss, um uns den Weg nach Hause zu weisen.
So heftig, wie wir Menschen eben mit uns selbst und anderen, v.a. auch mit Kindern real umgehen. Man braucht nicht einmal die Zeitung aufzuschlagen, es reichen Beobachtungen im Alltag, auf der Straße, in der Arbeit, zuhause, bei sich selbst…. und man weiß, dass dem so ist.

So habe ich heute den Schmerz zum ersten mal nicht besiegt und bin ihm auch nicht hilflos erlegen, sondern ich bin ihm gefolgt, bewusst durch seine Feuer gegangen.

Und ich hab verstanden:
Schmerz ist keine Strafe für verfehltes Leben, sondern die Antwort des Lebens darauf , wie weit wir uns von uns selbst und dem Leben entfernt haben. Er ist EIN Ausdruck der Liebe. So anders es auch scheinen mag.

Der Schmerz versucht uns immer wieder dahin zu bringen, wo wir eigentlich alle hinwollen:  zu uns selbst, „nach Hause“.

Und er steht für eine unglaublich starke Entwicklungs – Energie, die „will“ und es uns ermöglicht, dass wir wieder „nach Hause“ kommen können, wenn wir ihr folgen. Tun wir das nicht, erzeugt diese Energie eine innere Blockade und führt so zu seelischem und/oder körperlichem Schmerz.

Schmerz und auch Angst sind also primär Ausdruck von Lebens – Energie, die von uns aber meist nicht dahin gerichtet wird, wohin sie von Natur aus tendiert und somit schmerzhafte Energieblockaden in uns erzeugt.

So habe ich heute erleben dürfen, wie Schmerz tatsächlich völlig anders, nämlich als Energie verstanden und „eingesetzt“ werden kann und war über die spontane Wirkung völlig erstaunt, erfreut und dankbar.

 

Im Feuer des Schmerzes 2

 

Ich wünsche uns allen den Mut, uns von der Feuerenergie des Schmerzes erfassen zu lassen und sie immer mehr als Entwicklungshilfe erleben zu können.

bisher 1 Kommentar 09. Januar 2010

Weihnachten und Maskenspiel

Gestern trommelte ich in einer Schule mit den Schülern, zwei Stunden ohne Unterbrechung. Es machte einen Riesenspaß. Ich erlebte die Schüler so offen, voller Hingabe und Freude, so lebendig im gemeinsamen Rhythmus.
Auch einen Lehrer, der eine Zeit lang dabei war, erlebte ich lebendig wie die Schüler. Das freute mich ganz besonders.

Da waren auch andere Lehrer und die lösten Erinnerungen an meine Schulzeit und Kindheit aus.
Lehrer, die vor allem funktionieren, die keinen wirklich herzlichen Kontakt zu den Schülern haben und auch nicht zu sich selbst. Lehrer, die große Reden schwingen und dahinter ganz und gar nicht zu spüren sind. Die einfach so tun „als ob“.
So war auch der Dank des Direktors reine Pflichterfüllung, ich spürte, wie weit weg er war.

Und so fielen mir weitere, „hochoffizielle“ Situationen und Personen, Pfarrer, Politiker, Vorsitzende ein… die vor allem zu besonderen Anlässen große Reden schwangen und dabei keinerlei Verbindung zu dem hatten, was sie sagten und es auch nicht lebten.
Und sie hatten auch keinen Kontakt zum Publikum. Reden war nur Mittel für ihren Zweck.

Einmal sagte ein Direktor bei der Ansprache zum Schulanfang zu den Eltern, zu denen auch ich gehörte:
„Sie können sich darauf verlassen, dass wir ihre Kinder im katholischen Glauben erziehen!“. Was ihm selbst wohl entgangen war, war die Tatsache, dass er bei diesem Satz dreimal kräftig mit geballter Faust auf sein Rednerpult schlug und mit welchem Nachdruck er dabei sprach.
Ja, seine Worte sollten wohl etwas „Gutes“ vermitteln, seine Körpersprache machte mir aber eher Angst. Denn sie zeigte die Lüge hinter so mancher „frommer Rede“ von Kirche, Schule, Staat und anderen Institutionen und ihren „Vertretern“.
Was für ein Maskenspiel!

Nun ist Weihnachten. Und da geht’s mir nicht anders. Weihnachten, das Fest der Liebe.
Doch wie kann man nur so blind sein, völlig unkritisch alte Traditionen aufrecht zu erhalten, ohne dahinter zu sehen?
Nur um ein Stück kindlich – illusionäre Geborgenheit aufrechtzuerhalten.
Das hatte schon immer und hat immer wieder einen hohen Preis.
Wie viel Leid und Probleme zeigen sich nämlich in Wirklichkeit hinter der Maske der Liebe an Weihnachten.
Wenn man dahinter sieht.
Doch wer will das schon. Es könnte das letzte bisschen an Hoffnung und „Schönem“  zerstören.

Wenn ich nicht dahinter schaue, KANN ich es nicht verändern.  Also schaue ich nicht dahinter, wenn ich es nicht verändern WILL. Würde ich dahinter schauen, MUESSTE ich es verändern.

 Ich kann den gut verstehen, der das nicht will. Denn dahinter tut es ziemlich weh. Schon lange.
Doch so kann auch nichts anders werden.

So halten sich die meisten weiterhin nur an der Zeremonie, dem Christbaum mit seinem funkelnden Licht, dem Schenken, dem Essen und Trinken fest. Ist ja auch schön. Doch der Inhalt der Zeremonie ist oft alles andere als mit Liebe gefüllt…

Ich litt als Kind sehr unter diesem Maskenspiel der Erwachsenen, der „So-tun-als-ob“-Maske, der Maske der Gesellschaftslüge. Sie verletzte mich sehr, die Erwachsenen dahinter verletzten mich sehr.

So muss ich echt aufpassen, dass ich Menschen, die mir heute mit der gleichen Maske begegnen, nicht für meine alten Verletzungen verantwortlich mache und sie ablehne.

Ich bin froh, endlich gelernt zu haben, mehr oder weniger hinter die Masken schauen zu können. Und das macht mir Hoffnung.
Denn es ist immer noch so:  ich möchte gerne die Menschen hinter den Masken kennen lernen. Denn dort sind die Menschen schön. Ihre Masken finde ich mehr oder weniger hässlich, im besten Falle noch lustig.

Und das kann ich jetzt oft viel besser, den Menschen hinter der Maske zu sehen. Weil ich (durch) seine Maske einfach durch-schaue.

So wie ich es als Kind intuitiv schon immer konnte, aber nicht das Bewusstsein dafür hatte. Ich spürte nur, dass sich bei vielen Erwachsenen etwas gar nicht gut anfühlte, ich fühlte mich bei ihnen nicht wohl.
So wünsche ich uns allen den Mut, uns unserer eigenen Masken bewusster zu werden und Schritte zu machen, sie abzulegen.

Maskenspiel

Ja, ich stelle mir eine Welt voller schöner Menschen vor. Manchmal kann ich sie sehen. Und selten sogar erleben. So wie immer wieder bei meinen Klienten.
Und gestern bei den Schülern.
Das war mein besonderes Weihnachtsgeschenk dieses Jahr.
Es kam zu mir, weil eine junge Frau initiativ und mutig war. Meine Tochter.
Danke, liebe Ronja!  :-)

Diese schöne Welt ist immer schon da.
Hinter den Masken.
Bei den jungen Menschen ist sie noch gut zu sehen. 

Wie schön!
Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Klaus

jetzt kommentieren? 24. Dezember 2009

Spiritualität

Was für ein (emotionales) Durcheinander dieses Wort oft schafft. Was für Anfeindungen und Missverständnisse, Angst aus schlechten alten Erfahrungen heraus, Widerstand, Wut. Und auch Hoffnung, Sehnsucht.

Ja, ich will Spiritualität! Doch zunächst ist es einfach nur ein Wort.

So will ich es aus meinem Lebenskontext heraus beschreiben, aus dem heraus, wie ich als ganz konkreter Mensch großgeworden bin.
Vom äußerst sensiblen und verletzlichen Wesen als Kind und Junge, über den Jugendlichen in einer wohl für alle Menschen sehr schwierigen Übergangsphase, bis hin zum jungen Erwachsenen, hinein in Familie und Arbeit und schließlich – etwas weis(s)er an Haaren :-)  - als Mensch, der mehr und mehr über sein Leben nachdenkt.

So wie unserem willkürlich nicht einfach änderbarem „Bauplan“ auf der körperlichen Ebene eingeschrieben steht

Herz, schlage
Lunge, atme
Magen, verdaue
Darm, nimm auf und scheide aus
usw.

steht uns auch auf der „nicht-körperlichen“  Ebene verschiedenes eingeschrieben:

Mensch, folge Deiner inneren Wahrheit
Mensch, lebe sozial, d.h. in Gemeinschaft
Mensch wachse und entwickle Dich
Mensch, suche Deine Heimat und komm nach Hause

So wie das Herz „von selbst“ schlägt, die Lunge „von selbst“ atmet und all die Organe ihre jeweils eingeschriebene Aufgabe „von selbst“ erfüllen, so übernimmt jeder Mensch auch die Suche nach seiner Heimat „von selbst“, ob er es nun wahrnimmt oder nicht.
Und abhängig davon, welcher Religion sein „Transportmittel nach Hause“ nun entstammt.

Für mich persönlich ist es meine starke Naturprägung schon als kleiner Junge, meine Natur-Religion, die mir mein „Transportmittel“ zur Verfügung stellt. So gefallen mir vor allem die erd- und naturverbundenen Rituale der Indianer sehr. Sie geben mir – als katholisch aufgewachsenem Christen – mehr Gefühl von Heimat, als all die christlichen Rituale und Feste, unter denen ich großgeworden bin.

Sie waren eben einfach nicht mein eingeschriebenes „Transportmittel“.

Doch wer hätte damals schon ein Kind ernst genommen, das (unbewusst ), völlig alleine bei „Mutter Erde“ mehr Spiritualität leben konnte, als in der Gemeinschaft vieler Menschen in Familie, Kirche und Religionsunterricht?
Ich verstand von alldem einfach nichts, und kein Mensch hat „es“ mir gesagt. Nur meine innere Stimme.

Allein still in der Natur sitzend,  kann ich mich auch jetzt meist wieder „rückbesinnen“ (lateinisch: religio = Rückbesinnung), auf meinen eingeschriebenen Weg, auf meine Heimat. Auf mich selbst.

Da kann ich die nur sehr leise innere Stimme, die sich – einem Kind gleich – nicht selbst behaupten kann, gegen all diesen Lärm im Außen und auch nicht gegen diesen schrillen Angstschreie meiner Kindheit, schützen und so wieder heraushören.

So muss ich wohl mein „ich will Spiritualität“ umändern in:

Ich lebe Spiritualität!  IMMER!

Ob ich das nun weiß oder nicht (schade, dass das dem Jungen von damals niemand wirklich erklärt hat).
Ob ich es nun will oder nicht.

Wie jeder Mensch.

Denn sie ist uns eingeschrieben.

Wie unser Herzschlag, ohne den unser körperliches Leben enden würde.

Also  doch wieder:
Ich WILL Spiritualität, wie sie eben MIR eingeschrieben ist.
Die Rituale, Feste und Feiern dazu, die MICH berühren. 

Und „meine“ Herzens – Gemeinschaft.

Herzensgemeinschaft

Diese hat mir nun das Leben geschenkt!

So spürte ich vorhin am nur vom Mond erhellten Waldrand sitzend,

Nacht

an diesem unglaublich stillen und warmen Morgen eins in mir:

Spiritualität

DANKBARKEIT und FREUDE für meine SPIRITUALITÄT und die GEMEINSCHAFT

bisher 4 Kommentare 09. August 2009

Der eigene Weg

Wie oft frage ich mich: ”Was ist mein Weg?” und meine eigentlich: “Wo will ich hin? Was ist mein Ziel?”

Ich zermartere mir den Kopf über mein Ziel, und es zeichnen sich trotzdem nur unklare Schemen in meinem Inneren ab.

Und dann meine ich pötzlich zu verstehen:

Ein Ziel bleibt meist in weiter Ferne. Doch meine Intuition lässt mich spüren, ob der Weg den ich gerade gehe, MEIN Weg ist.

So ist mein Ziel, meinen eigenen Weg zu finden.

 Und ihm dann zu folgen, ohne zu wissen,

Der eigene Weg

wohin er führt…

bisher 2 Kommentare 09. Juli 2009

Niemals aufgeben!

Ich muss etwas anders TUN, damit etwas anders WIRD!

Wie lange muss ich oft grübeln und wie groß muss der Druck in mir oft werden, bis ich den Sinn der obigen Binsenweisheit, die mir in einem lichten Augenblick in den Sinn stieg, wirklich in aller Tiefe und Konsequenz erfassen kann.

Und wie oft übersehe ich diese banale Tatsache in meinem Funktionieren für die alltäglichen Aufgaben. Wie leicht überlistet mich mein Gehirn und „meldet Ärger“, weil sich nichts verändert hat und da steif in mir behauptet: „Ich hab doch etwas anders gemacht!“
Doch bei genauerem kritischen Hinsehen – was Menschen von Außen meist besser können :-)  -  muss ich dann wieder feststellen, dass ich im Grunde doch wieder den alten Sch…. gemacht, mich in meinen alten Mustern verfangen habe.
Man braucht schon detektivische Fähigkeiten, um sich dabei selbst auf die Schliche zu kommen.
Und noch viel mehr:  die innere Bereitschaft dazu.
Ersteres ist zu lernen. Das zweite vielleicht ein Geschenk.

Wie sehr fühle ich mich doch in meiner scheinbar sicheren und vertrauten, „alten Welt“ wohl und aufgehoben.
Wär´s ein Wunder, wenn man da ab und zu (manchmal auch öfter) das „Kleingedruckte“, die feineren Hinweise übersieht, selbst wenn mir die „alte Welt“ schon längst drei Nummern zu klein ist und mich an allen Ecken und Enden einengt und in meiner Bewegung behindert?

Nein, kein Wunder. Doch eine Realität mit Folgen. Nein, leider wieder ohne Folgen, ohne DIE Folgen!

Puh, was für ein zähes Ringen!

Manchmal hilft mir wirklich nur noch Hemingways „Geheimnis meines Erfolges“:

Nie entmutigt sein!                  

oder anders ausgedrückt

Niemals aufgeben

Niemals aufgeben!

jetzt kommentieren? 03. Juli 2009

Das göttliche Kind

Ich meinte mein göttliches Kind sagen hören:

Mir tut  JEDE Deiner Handlungen an Dir selbst oder anderen weh, die trennt, die lieblos ist, die die Liebe sich nicht frei entfalten lässt, die nicht wirklich in Liebe geschieht.

Ich bin IN Dir. So verletzt Du mich UND Dich mit jeder lieblosen Handlung.

Und andere.

Sei die Handlung nun bewusst oder unbewusst.

Sei die Handlung nun offen männlich körperlich brutal oder verdeckt weiblich seelisch giftig.

Und Du verletzt uns genauso, wenn Du lieblose Handlungen an uns geschehen lässt ohne einzuschreiten…

Sei Dir das nun bewusst oder nicht.

Und ALLE Verletzungen werden sich unter Schmerzen auflösen

wenn Du in die Liebe kommst.

Das ist die ganze Wahrheit

DAS IST DIE GANZE WAHRHEIT!

bisher 1 Kommentar 05. März 2009

Krise

   Das Nein zum Schmerz
Bringt schnell
in´s alte Leben
unbemerkt

Ich wollte es doch verlassen

Und wieder nehme ich das Leben
Durch ein dickes Polster war
Behütet und weich

Unberührt, abgetrennt
Dumpf, fahl

Die Sehnsucht nagt.
Es schmerzt
unerträglich
Nicht im Leben zu sein
Nicht daran teilzuhaben

Eingemauert
Verströmt die Blume ihren Duft
vergeblich
Lässt der Welt
Nicht ihre Schönheit spür´n

Es schmerzt
Ohne Schutz
Angst packt mich
Mit eisigen Krallen
Lieber wieder eingemauert

Es schmerzt noch mehr

Dann ist es zu spät

Keine Macht der Welt
Kann es mehr stoppen
Auch nicht ICH
Vermeidung
Hat ihr Ende

Ich ging zu weit

Hinein ins Leben

Ich bete um Geduld
Zu ertragen
Loszulassen
Zu vertrauen

Die Gewalt
Ist heftig
Die Mauern fallen

Feinfühlig
Dass mein Kleiner
Völlig unversehrt
Den Trümmern entsteigt

Wie schön
Da ist eine Hand
Die ihm ganz zart
Entgegenkommt
Und Wesen
Die sich freuen
Über dieses Wunder

Der Krise erwachsen

Der Krise erwachsen  

 

jetzt kommentieren? 31. Januar 2009

Liebe und Schmerz

Liebe und Schmerz

LIEBE und SCHMERZ

sind ins selbe Grab gebettet

Die SEHNSUCHT nach LEBEN 

bringt beide ans LICHT

 

bisher 6 Kommentare 27. Januar 2009

Wachstum

Wie geht gutes Wachstum? Das frage ich mich aufgrund eigener Prozesse, in denen meine alte Stabilität verloren geht, selbst immer wieder.

Bei Insekten gibt es zwei verschiedene Arten von Wachstum:

Ein kontinuierliches Wachstum, bei dem das junge Insekt dem ausgewachsenen Tier bereits relativ ähnlich sieht und im Laufe der Entwicklung nur an körperlicher Größe zunimmt und bestimmte Merkmale, z.B. die Flügel mehr und mehr ausbildet. Das ist bei den Heuschrecken so.
Dies nennt man in der Biologie „unvollkommene Verwandlung“. Obwohl ich bei dieser Art Wachstum für „Verwandlung“ eher das Wort „Veränderung“ wählen würde.

Dann gibt es wiederum Insekten, die haben eine „vollkommene Verwandlung“.
Hier kann man wirklich von Verwandlung, Metamorphose oder Transformation reden. Hier gibt es keine „jungen Tiere“.
Viele Menschen glauben zwar, sie hätten einen „jungen Marienkäfer“ gesehen, doch in Wirklichkeit war es nur eine andere, aber ähnliche und eben kleinere Art.
So gibt es auch keine „jungen Schmetterlinge“. Und das weiß nun wirklich jedes Kind:   
Ein Schmetterling ist in „jungen Jahren“ eine Raupe. Sie hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem Schmetterling selbst.
So ist es auch bei den Käfern, nur spricht man hier von „Larven“ statt von „Raupen“.

Mit den Schmetterlingsraupen passiert nun wirklich Unglaubliches, Wunderliches:
Ist es „soweit“, suchen sie unruhig nach einem Platz, an dem sie sich verpuppen können.
Dabei härtet eine äußere Schicht aus und bietet so eine Schutzhülle für das, was dann passiert.
Die einstmals vorhandene Raupe löst sich einfach völlig auf! Nichts von ihr ist mehr, wie es einst war. Sie wird innerhalb der Puppenhülle zu einer völlig strukturlosen und handlungsunfähigen „chaotischen Masse“. Schneidet man eine Puppe in diesem Stadium auf, läuft einem nur „Brühe“ entgegen. Und doch trägt die „Brühe“ ihre Bestimmung ganz klar eingeschrieben:
Eines schönen Tages wird sie nämlich zum prachtvollen Schmetterling, der seine enge Schützhülle verlässt, seine Flügel entfaltet und seinem Leben als vollendetes Tier entgegenfliegt.

So stelle ich Vergleiche an:

Das körperliche, äußere Wachstum des Menschen ist „unvollkommen“. Es gibt „junge Menschen“. Sie sehen den Erwachsenen ähnlich und entwickeln im Laufe der Zeit nur bestimmte Merkmale heraus. Da wird das „Hänschen klein“ zum „Hans“. Äußerlich. Wie es im “Hans innen” aussieht, ersieht man daraus nicht. So gibt es wohl viele “erwachsene Kinder”.

Beim seelischen Wachstum scheint es uns eher wie der Raupe und dem Schmetterling zu gehen. Die Verwandlung ist vollkommen:
Es gibt Zeiten, da zerfällt einem, durch äußere oder innere Einflüsse ausgelöst, alles im Leben. Alte Selbst- und Weltbilder lassen sich nicht mehr aufrecht erhalten, stürzen in sich zusammen. Das alte „Ich“ löst sich in ein formloses und unkontrollierbares Chaos auf. Nichts mehr ist, wie es einmal war.
Die gefräßige Raupe muss „sterben“, sie zerfließt in ihre „Grundbestandteile“ und fällt in einen Starrezustand.
Das durch Verletzungen bedürftig gebliebene und dadurch „unersättliche“ Innere Kind wird einem tiefen, völlig unwiderruflichen Transformationsprozess unterworfen. Das löst bei uns zu tiefste Ängste aus. Wir haben es nicht gelernt, uns solch gewaltigen Kräften – mindestens vergleichbar den Kräften, die bei einer Geburt wirken – vertrauensvoll hinzugeben. Und es bedarf liebevoller und intensiver Arbeit mit dem Inneren Kind, um da gut durchzugehen. Denn das Leben lässt nicht locker. Es will, dass wir zum Schmetterling werden.

Das nur durch die Puppenhülle geschützte, den äußeren Widrigkeiten ansonsten hilflos ausgesetzte „Wesen“ ist nun völlig inneren Prozessen überlassen. Sich hier wirklich den kosmischen Kräften hinzugeben und nicht dagegen anzukämpfen oder „anzuschieben“, ist eine große Herausforderung. Denn es stirbt wirklich etwas in uns. Für immer. Ein Teil Kindsein. Und ein guter Umgang mit dem Tod, sowohl dem physischen, als auch dem „Tod im Leben“ wird in unserer Kultur nicht vermittelt und gelehrt.

Und doch sind viele Menschen mit der Tatsache eines anstehenden „Todes im Leben“, eines tiefgreifenden Transformationsprozesses ganz konkret konfrontiert. Das Leben will, dass sie wachsen. Und Wachstum hat immer auch mit Sterben zu tun.

So wünsche ich uns allen, die in solche innere Wachstumsprozesse kommen, uns den kosmischen Kräften hingeben zu können und nicht dagegen ankämpfen zu müssen. Und Hilfe und Unterstützung von anderen Menschen und dem Kosmos.

Tod und Wachstum

Damit wir eines Tages als gesund entwickelte, prächtige Schmetterlinge unsere Schutzhülle verlassen und ins Leben fliegen.

Unsere wahre Bestimmung zu erfüllen.

 

bisher 2 Kommentare 11. Januar 2009

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