Monatsarchiv für September, 2006
Wieder zurück vom Seminar. Hatte mich sehr darauf gefreut. Schließlich war ich schon lange auf keinem mehr gewesen. Ich freute mich auf Kontakt, Begegnungen, neue Menschen.
Da waren sie nun, die „neuen Menschen“. Und irgendwie bekam ich – bis auf wenige und kurze Ausnahmen – keinen richtigen und herzlichen Kontakt. Ich bemühte mich, war neugierig. Doch irgendwie ging es mir wie als Kind: je mehr ich versuchte und je mehr ich nachfragte, umso allgemeiner wurden die Antworten. Ich spürte, dass manchen Leuten die Fragen unangenehm waren, sie scheinbar überforderten und sie auf Distanz zu mir gehen ließen. Ich kam einfach nicht durch. Ja, wo „durch“ eigentlich?
Da war es wieder, das alte Maskenspiel, dass ich als Kind so zu hassen gelernt hatte. Hatte es mich doch in meinen kindlichen Gefühlen und Wahrnehmungen ständig in Verwirrung gebracht. Was stimmte denn nun: das was ich in mir fühlte oder das was meine Eltern – oder die Leute am Tisch – darüber sagten?!
Ich entschloß mich offensichtlich, meinen Gefühlen nicht mehr zu trauen. Dadurch wurde es irgendwie erträglicher. Auf diese Weise übernahm ich genau die Masken, die mir das Leben so schwer machten. Und ich erliege ihnen immer und immer wieder. Es ist wirklich zum Haare ausreissen.
Also bemühte ich mich im Laufe des Seminars, meine Masken zu erkennen. Und die der anderen. Hinterfragte mich und die anderen. Suchte nach einem Weg hinter die Masken. Meine Reaktionen wechselten zwischen offen fragen, Neugier, mich schützen in der Überheblichkeit, Ungeduld, Unmut, Resignation und einfach weiter da bleiben und aushalten. Mich, die anderen, die Situation. Ich bin froh, dass Letzteres überwog. Die Reaktionen der anderen gingen von Oberflächlichkeit, Abstand, Schweigen, Vorsicht, verhaltene bis offene Neugier. Vereinzelt auch kurze „wirkliche“ Begegnung. Diese freuten mich besonders und geben mir noch jetzt ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Was ist für mich eine “wirkliche” Begegnung?
Ich nenne und empfinde eine Begegnung “wirklich”, wenn ich berührt habe und/oder berührt wurde. Hinter den Masken. Und sich dadurch etwas in mir und/oder dem anderen zu bewegen und verwandeln beginnt. Ich denke, dass es mit Heilung im weitesten Sinne zu tun hat. Und ich glaube, dass daraus auch etwas “Neues, Übergeordnetes geboren” wird. Eine Idee, ein Kontakt, ein Projekt.
Am Beispiel der Begegnung von Mann und Frau sehe ich das so: ihre Begegnung beeinflußt und verändert beide nachhaltig. Dies verkörpert den individuellen Aspekt einer Begegnung. Wurde dabei ein Kind gezeugt, steht dieses für den gemeinschaftlichen Aspekt einer Begegnung. Neben diesen beiden, irdischen Aspekten sehe ich auch noch einen spirituellen Aspekt, der für mich durch das eigene Wesen, das ein Kind “mitbringt”, verkörpert ist.
Trotz meines Bemühens konnte ich auf dem Seminar weiterhin nicht “wirklich” begegnen. Das meiste blieb an der Oberfläche, hinter den Masken. Und das bei einem alten, heiligen Ritual, der Schwitzhütte. Wo es doch genau um die Verbundenheit und Begegnung mit allem geht.
So fuhr ich angestrengt und frustiert wieder nach Hause und begann, „mir von der Seele zu schreiben“.
Mir war vor dem Seminar gar nicht bewußt geworden, wie sehr ich mich nach neuen Begegnungen gesehnt hatte. Das wurde mir erst bewußt, als ich meine Enttäuschung spürte, so wenig begegnet zu sein.
Plötzlich erinnerte ich mich an meine Vorfreude, wenn ich – nach ewiger Zeit – wieder einmal nach Hause zu meinen Eltern (und Geschwistern) fuhr. Nichts in mir erinnerte sich daran, wie es das letzte mal gewesen war, und vor dem letzten mal, und davor…enttäuscht und frustriert fuhr ich jedesmal wieder zurück, nicht bekommen zu haben, was ich mir jedesmal – völlig unbewußt – so sehr gewünscht hatte: das es EINMAL anders sein würde, als es immer schon war und ich endlich meinen Eltern wirklich „begegnen“ würde. Ich „vergaß“ jedesmal erneut, wie es das letzte mal gewesen war. Es hätte mich sonst jeder Hoffnung beraubt, an die ich mich noch so sehr klammerte.
Doch es wurde nie anders.
Ich hatte mich als Kind immer bemühen müssen, unmögliche Sachen angestellt und meinen Eltern „viel Sorgen bereitet“ ,nur um ihnen überhaupt irgendwie zu „begegnen“. Ich wußte lange nicht, dass man auch ganz mühelos begegnen kann. Das hatte ich als Kind einfach nie erfahren.
Langsam glaube ich zu verstehen: mein Inneres Kind hatte sich einfach nach „zuhause“ gesehnt, warum und wie auch immer. Ich hatte es nicht wahrgenommen und konnte ihm so nicht selbst „Mama und Papa“ sein, ihm kein Zuhause geben. Also suchte ich/mein inneres Kind die Begegnung mit einer „Wahlfamilie“. Da waren sie alle auf dem Seminar: „Mama“, „Papa“, „Geschwister“. Ich konnte sie mir nach Belieben aussuchen. Und so bemühte ich mich wie gewohnt um „Begegnungen“! Und machte fast die gleiche Erfahrung, wie schon immer zuhause.
Ich weiß durch dieses Seminar jetzt ein Stück mehr, dass es sehr wahrscheinlich mein von mir nicht gut versorgtes, bedürftiges inneres Kind ist, wenn ich wieder mal meine, mich um eine Begegnung bemühen zu müssen!
Ich glaube, dass Begegnung im Grunde leicht ist. Das merke ich besonders bei den Begegnungen, die einfach sofort und von alleine geschehen. Andere wiederum brauchen einfach Zeit. Und manche geschehen nie. Müssen sie auch nicht.
Ich tu´ mich immer wieder schwer, meine Bedürfnisse als erwachsener Mann von den Bedürftigkeiten meines inneren Kindes zu unterscheiden und entsprechend dafür Sorge zu tragen. Doch mit wachsender Erfahrung steigt auch meine Unterscheidungsfähigkeit.
Letztlich hatte die Mühe bezüglich meines Wunsches, auf diesem Seminar „zu begegnen“, für mich Sinn gemacht:
Ich bin mir, meinem Inneren Kind begegnet. Und mir wurde wieder ein Stück klarer: ohne vorher mir selbst begegnet zu sein, kann ich auch keinem anderen wirklich begegnen.
Ich glaube, dass dies die „unbewußte Absicht“ vieler unserer „Lebensinszenierungen“ ist. Nämlich uns selbst darin „wirklich“ zu begegnen und so selbst für uns sorgen zu lernen. Dies entspricht letztlich dem natürlichen Prozess der Ablösung von den Eltern und ermöglicht den „Ausstieg“ aus den inneren Abhängigkeiten zu Menschen.
Da, wo ich meiner Kindheit er-wachsen bin, kann ich wirklich wählen. So erlebe ich es jedenfalls, Schritt für Schritt.
Ich empfinde jeden dieser Schritte des Er-wachsens und Mir-selbst-begegnens als grosses Glück.
Selbst wenn die Vorarbeit für diese Schritte oft sehr mühevoll ist und manchmal pure Verzweiflung auslöst.

Für mich ist sie der Weg in die innere Freiheit.
24. September 2006
Das „Innere Kind“ ist ein Modell, also die Vorstellung von einer „Wirklichkeit“ in uns, die wir nicht sehen können. So wie man ein „Wassermolekül“ nicht sehen kann, kann man auch ein „Inneres Kind“ nicht sehen. Man kann nur die äussere Erscheinung (Wasser) oder die Wirkung (z.B. Angst vor dem Alleinesein) wahrnehmen oder fühlen.
Die Geschwindigkeit des in der Natur üblichen Lernverhaltens nach „Versuch und Irrtum/Erfolg“ konnte in der Physik und Chemie durch Formeln und Modelle, also durch Abstraktionen von „der Wirklichkeit“ beschleunigt werden.
Warum sollte das nicht auch im sozialen und psychologischen Bereich funktionieren?!
Was und ob nun für jemanden etwas „Wirklichkeit“ ist bzw. wird oder nicht, kann man nur im Tun und Erleben feststellen. Und diese Wirklichkeit ist sehr subjektiv. Jedes Modell ist nicht für jede Situation bzw. jeden Menschen tauglich.
Ich nenne das Innere Kind in diesem Rahmen ein Modell, also eine Vorstellung von einer „Wirklichkeit“ , damit die Subjektivität des Ganzen klar bleibt.
Für mich persönlich ist der „Umgang mit meinem Inneren Kind“ inzwischen so vertraut und selbstverständlich geworden, dass ich keine Trennung zwischen Vorstellung und „Wirklichkeit“ mehr erlebe. Für mich ist „mein Inneres Kind“ subjektive Wirklichkeit, kein abstraktes Modell mehr. Das heisst, im Laufe meines Lernprozesses hat sich dieses Modell des Inneren Kindes für mich so “bewahrheitet” und bewährt, dass ich vergessen habe, dass es ein Modell ist.
Das ist eben eine sehr menschliche Eigenschaft, dass wir eine Vorstellung von etwas für „die Wirklichkeit“ halten, wenn wir es nur lange genug so gelebt haben. Doch an irgendwas müssen wir uns scheinbar halten. Und mir persönlich ist es einerlei, ob es nun eine „Wirklichkeit“ oder nur die Vorstellung von dieser „Wirklichkeit“ ist, was immer auch diese mysteriöse „Wirklichkeit“ sein mag! Mir ist wichtig ob sie mir dienlich ist oder nicht.
Kinder haben damit generell kein Problem: sie machen in ihrer Phantasie alles zur „Wirklichkeit“, Hauptsache es macht Spaß!! Das heißt, sie handeln einfach nach dem Lustprinzip: ich habe Spaß, also bin ich! Ganz schön gerissen, die Kleinen! Warum sich nicht etwas davon abschauen?
So habe ich inzwischen eine innige Beziehung zu meinem Inneren Kind aufgebaut. Es hatte viele Jahre unbeachtet irgendwo in einer verstaubten Ecke meiner Seele und Psyche gelegen und auf die Erweckung aus seinem Dornröschenschlaf (auch Jungs wollen wachgeküsst werden) gewartet. Und es ist nicht einfach, sich so zu lieben, dass man sich selbst wach küssen mag. Hat man doch so viele Jahre Menschen so viel Schlechtes über einen reden hören. Wer sollte so jemanden schon küssen wollen. Und es ist auch um ein vielfaches romantischer (und bequemer), sich wach küssen zu lassen! Ich glaube, es sind die Inneren Kinder, die endlich wachgeküsst werden, das heißt gesehen und geliebt werden wollen. Und zwar von uns!
Das Modell des Inneren Kindes ist ein Modell, das dem einen oder anderen helfen kann, einen befriedigenderen und lustvolleren Umgang mit sich selbst in seiner ganz individuellen Lebenssituation zu finden. Natürlich nur da, wo ein Bedarf für Veränderung zu spüren ist. Und das ist meistens da, wo wir leiden. Und das tun wir wiederum (noch immer) da, wo wir als reales Kind, also während unser Kindheit bereits gelitten haben.
Mir hilft es dabei sehr, mir mein Inneres Kind immer als ein Kind aus Fleisch und Blut vorzustellen, also als einen realen Jungen, den ich nun hier bei mir habe und mit dem ich einen Umgang finden muss, weil er gerade so unruhig, gedrückt, wütend, traurig oder sonst was ist. Dabei ist sein Alter sehr variabel, weil die Themen, die in meinen Leben berührt werden, sehr verschiedene Altersstufen und die darin „gespeicherten“, realen Verletzungen meiner Kindheit betreffen. Wenn zum Beispiel Verlassenheitsängste in mir ausgelöst wurden, braucht mein Inneres Kind bedingungslose, mütterliche Zuwendung.
Diese Beispiel zeigt auch bereits das Wesen im Umgang mit dem „Inneren Kind“: es geht darum, seinem Inneren Kind – endlich wach geküsst – selbst Vater und Mutter zu werden, für sich selbst zu sorgen. Für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. Und es ist eine große Verantwortung und eine oft nicht leichte Aufgabe, ein Kind beim Großwerden zu begleiten. Wer selbst Kinder hat weiß, dass das Leben mit der Geburt eines Kindes nicht mehr das gleiche ist, wie zuvor.
So ist es auch mit dem Inneren Kind: Wer soweit ist, sich auf die Reise zu seinem Inneren Kind wirklich einzulasssen und die Elternschaft für dieses zu übernehmen, lernt sich und seine wirklichen Bedürfnisse immer mehr selbst kennen. Man muß sich dazu von der in unserer Gesellschaft üblichen Wunschvorstellung, alles soll so bleiben wie es war, verabschieden. Ebenso von der Vorstellung, alles soll leicht und einfach sein. Schmerzen dürfen dabei schon gar nicht auftauchen. Doch was tun, wenn meine Kinderseele in der damaligen Situation einfach Schmerz empfand?! Ich kann meinem Inneren Kind nicht begegnen, wenn ich seine Schmerzen weghaben will. Damit ignoriere ich es wieder, schicke es weg. Und wiederhole so sein Drama von damals: wenn es ausdrückt, was es fühlt, wird es von Mama und/oder Papa abgelehnt, weil diese unbewußt an ihre eigene, schmerzhafte Kindheit erinnert werden, in der sie selbst auch nicht fühlen durften. “Ich darf nicht fühlen” ist die Botschaft, die viele von uns als Kind mitbekommen haben.
Auch diese gnadenlos hohe Geschwindigkeit und Leistungsanforderung, die soviele Bereiche in unserer Gesellschaft diktieren, kann man in keinster Weise auf die Begegnung mit dem Inneren Kind übertragen. Liebe, Geduld, Hingabe und auch eine Portion Demut sind da angesagt. Wir haben 15 – 20 Jahre gelernt, unsere Gefühle zu unterdrücken, wie sollte ich nach einer Aufstellung und 2 Seminaren das verarbeitet und zu fühlen wieder erlernt haben?!
Es geht nicht darum, das Innere Kind und seine Themen schnell “abzuhandeln” (damit der Schmerz vorbei ist). Es geht vielmehr darum, sein Inneres Kind liebevoll in sein Leben zu integrieren, es anzunehmen als Teil von einem selbst. Ein Kind zieht man ja auch nicht schnell mal groß, um es dann loszuhaben. Es begleitet einen sein Leben lang, wie auch immer.
Ich bin auf meiner – bewußt und aktiv bisher etwa 10 Jahre andauernden – Reise zu meinem Inneren Kind meinen alten Verletzungen immer wieder begegnet, um sie endlich wahrzunehmen, ernst zu nehmen und auszudrücken. Ich begegne ihnen noch immer. Und ich habe immer mehr gelernt, damit umzugehen. Und so in Teilbereichen meinen inneren Frieden gefunden. Mit dem Annehmen meines Inneren Kindes mit all seinen Gefühlen ist auch meine (kindliche) Lebendigkeit, Neugier und Lebenslust wieder zum Vorschein gekommen.
Die Reise zum Inneren Kind ist – so habe ich es zumindest erlebt -wahrlich kein leichtes Unterfangen. Doch es ist eine Möglichkeit, seine innere Freiheit und natürliche Selbstbestimmtheit wiederzuerlangen. Denn sobald ich für mein Inneres Kind sorge, schenkt es mir all die Lebendigkeit und Gefühle, die ich im Laufe meiner Kindheit verloren bzw. zu verstecken gelernt habe. Es zeigt mir wieder was es im Grunde bedeutet, zu LEBEN! Es bedeutet, einfach LEBENDIG zu sein.Für mich als erwachsenen Mann bedeutet es insbesondere, meinem Leben zu folgen. Zu tun, was ich „zu tun habe“.

Und das spüre ich besonders, wenn ich meinem kleinen Jungen lausche.
20. September 2006

“Wer früher stirbt ist länger tot”, so heißt der Film von Marcus Hausham Rosenmüller.
Der Film handelt von einem Jungen in Oberbayern, der auf seine eigene Art und Weise lernt, in einer rauhen und doch Heimat gebenden Männerwelt groß zu werden. Ein Film, bei dem man sich vor Lachen ausschütten kann und einem im nächsten Augenblick das Lachen im Halse stecken bleibt. Und umgekehrt.
Muß man gesehen haben!
09. September 2006
Für alle, die sich erst einmal lieber lesend einem Thema nähern wollen, hier eine kleine Zusammenstellung von Büchern für Männer und zum Thema Inneres Kind, die ich wirklich an´s Herz legen kann.
INNERES KIND

von links nach rechts: Chopich u. Paul, Aussöhnung mit dem Inneren Kind / John Bradshaw, Das Kind in uns
MÄNNERBÜCHER

von links nach rechts: Robert Bly, Eisenhans / Steve Biddulph, Männer auf der Suche / Schröter u. Meyer, Die Kraft der männlichen Sexualität
Ebenso an´s Herz legen kann ich das Bücherg`schäft, bei dem Sie diese Bücher erhalten, kompetent beraten und freundlich bedient werden.
09. September 2006
Das Seminar am SA den 2. September begann für mich bereits um 6 Uhr in einer schönen Begegnung mit „Rita“. So nennt die Nachbarin unser unglaublich vertrautes „Dobl-Reh“. Rita stand mit ihrem halbwüchsigen Kitz unweit meiner Haustüre und äste ruhig. Wie gewohnt kostete sie mein Auftauchen gerade mal ein müdes Kopfschütteln, um sich sodann gleich wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung zu widmen. Was konnte ein schönerer Start sein für ein Seminar, bei dem man Antworten in der Natur sucht? So erhielt ich die erste Antwort für dieses Seminar: „Ich bin gut aufgehoben“!
* * * * *
Das Wetter verwöhnte uns mit Wärme und Sonne, beste Voraussetzung für´s ziellose Schlendern durch die herrlichen Wälder in der Umgebung und um einen „Baum zu fragen“…wonach auch immer.
Doch zunächst schlenderten die 6 Seminarteilnehmer erst einmal per Phantasiereise querfeldein durch die Lande. Ziellos, nur den inneren Impulsen und der Neugier folgend waren fast alle Teilnehmer das letzte mal als Kind durch Wald und Heide gezogen. So brauchte es zuerst wieder ein wenig Übung, die wir sozusagen erst einmal „im Trockenen“ ausführten.

Nach einer „Tönen-und-Trommeln-Runde“ zum „Einstimmen“ der Gruppe erzählte bei der Kennenlernrunde jeder Teilnehmer ein wenig über sich und seine Motivation hier zu sein.
Am Ende einer für die meisten zu langen Theorie und Einführung in die Methodik ging´s endlich nach draußen.
Angestrengt durch das viele Reden und Zuhören ließen wir unsere Inneren Kindern erst mal zu ihrem Recht kommen. Mit einem Spiel für die ganze Gruppe und Vertrauensübungen zu zweit.

Auch für mich als Zuschauer war es ein Genuß: ein traumhafter Wald, das glitzernde Sonnenlicht, das nur punktuell den Waldboden erhellte und Menschen die Spaß daran hatten, sich mit verbundenen Augen gegenseitig zu führen.
Mitspielen wär natürlich schön gewesen…
Erst dann ging´s zur Naturbefragung. Die Teilnehmer hatten sich zuvor ihr momentan wichtigstes Lebensthema vergegenwärtigt. Jetzt kristallisierte jeder – jeweils paarweise – eine Frage zu diesem Thema heraus. Einmal Begleiter und einmal Fragender schlenderten nun die Paare hinaus.
Für mich blieb momentan nicht viel zu tun, außer immer wieder mal nachzufragen. Doch die „Inneren Kinder“ waren bereits voll im Spielen und bedurften keiner „Unterstützung“.
So verwunderte es mich nachher nicht mehr, dass jedes Paar so seine eigenen Spielregeln entwickelte, sein eigenes Spiel entstehen ließ und eben auf SEINE Weise mehr oder weniger Antwort auf seine Fragen fand. Die TeilnehmerInnen hatten die Aufforderung wirklich wörtlich genommen und sind IHREN inneren Impulsen gefolgt, nicht so sehr meinem Schema.
Interessant bei der Auswertung fand ich, dass der DIALOG im Paar sehr viel zur Beantwortung der Fragen beitrug. Und dass dieser Dialog durch das gemeinsame Spiel im Freien stark angeregt wurde! Eine Methode bei „sprachlosen Partnerschaften“, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen?!?
Mir wurde deutlich, dass nicht so sehr die Methode wesentlich war, wie man denn nun da draussen vorgehen könnte, um eine Antwort zu erhalten. Wesentlich waren vor allem das gemeinsame Draussensein, das sich einlassen auf seine Intuition und seinen Spieltrieb, also das sich treiben lassen und der im Spiel entstehende Dialog.
Das anschließende gemeinsame Essen und Ratschen rundete das Ganze ab. Andrea hatte extra für alle Salat und Cremes vorbereitet. Danke Andrea!
Ich sage auf diesem Weg noch einmal allen TeilnehmerInnen herzlich Danke für Euer Euch einlassen, für Euere Feedbacks, für Euere Offenheit und Herzlichkeit. Ich bin sehr glücklich darüber, meinen „Feuerlauf“ mit EUCH gemacht zu haben. Es war ein schöner Beginn für mich.
Der Wunsch einiger Teilnehmer nach einer gemeinsamen Gesprächsrunde von Männern und Frauen ist in mir auf starke Resonanz gestossen. Erste konkrete Ideen für gemeinsame Aktionen auf dem „Tummelplatz“ sind bereits daraus geboren.
* * * * *
Ich hatte noch einiges loszulassen und nachzuarbeiten. So war das Seminar für mich erst Montag frühmorgens ganz abgeschlossen. Rita äste wieder mit ihrem Kitz keine 10 m von mir weg: „Ja, ich war tatsächlich gut aufgehoben gewesen“. Danke Rita für den Hinweis, danke Euch „Naturschlenderern“ für Euer Dasein, danke den Kräften für den guten Stern, unter den sie das Seminar stellten.
05. September 2006